"Es ist das Wort ganz nahe bei dir und in deinem Munde  und in deinem Herzen, dass du es tust."  5. Mose 30,14


Noch immer ist mir jener Junge in Jerusalem in Erinnerung. Mit 13 wurde er auf dem Tempelplatz in die jüdische Gemeinde aufgenommen. Das war ein feierlicher Akt: Musik, Gesänge, viele Worte und das Tanzen mit der bunten Thorarolle  machten starken Eindruck auf mich. Jedoch was auffiel war, der Junge hatte einen schwarzen Lederriemen mit einem Lederwürfel an der Stirn, zwischen den Augen. Darin waren Texte der Thora, die er nun insgesamt immer in seinem Denken aufbewahren sollte. Auf diese Weise wurde er in die erwachsene Männerwelt eingegliedert.  Diesen war schon nach der jüdischen Tradition(5. Mose 6,4-9 ; 11, 13-21 auferlegt, Gottes Wort an Stirn und Arm zu binden, genannt "Tefillin". Weithin wurden diese Gebetsriemen zum Morgengebet an den Wochentagen angelegt. Ihnen wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Sie durften nicht auf die Erde fallen, noch zu unreinen Orten mitgenommen werden.

Darüber hinaus waren diese Worte Gottes an die Pfosten des Hauses und an die Tore zu schreiben. So war die Thora, das Wort Gottes in seiner Heiligkeit und Einzigartigkeit, symbolisch immer wieder den Juden vor Augen, damit sie diese Worte zu Herzen nehmen(5. Mos 11, 18) und den Kindern weiter

vermitteln.

Der Monatsspruch nimmt diese Tradition sinngemäß auf: Es geht um das Wort Gottes Alten und Neuen Testamentes. Es ist das Zeugnis von Gott, dem Schöpfer, dem Herrn der Geschichte, dem Vater Jesus Christi und dem Vollender der Welt. Es ist das Wort, das dem Menschen Gottes Liebe bezeugt und ihn in Gottes Nähe, in die Gemeinschaft mit Gott ruft. Denn nur so findet der Mensch aus aller Verirrtheit und Einsamkeit heraus. Es ermutigt, befreit und eröffnet Perspektiven zum Leben. Darum ist es wichtig auf dieses Wort zu achten, es in sich aufzunehmen und umzusetzen.

Der Verfasser bezeugt: "Es ist das Wort ganz nahe bei dir".  Damit bringt er zum Ausdruck: Gott hat geredet, geredet zum Menschen. Ja, er wendet sich dem Einzelnen zu. Dafür steht das "bei dir". Jeder hat die Möglichkeit dieses Wort in Andachten, Gottesdiensten, Bibelgesprächen und im persönlichen Gespräch mit Christen zu hören. Das Wort Gottes ist also ganz nahe, hörbar  und  lesbar für jeden Menschen bei uns in der westlichen Welt. Damit es alle erreicht, sind die Wycliff-Bibelübersetzter an der Arbeit, Sprachen und Dialekte in der Welt zu erforschen und Teile der Bibel zu übersetzen. Ebenso sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von "Open door" im  persönlich, auch gewagten Einsatz, das Wort von Gott auch hinter den sogenannten eisernen Vorhang zu bringen. Alle soll das Wort von Gott, die frohe Heilsbotschaft, erreichen, weil es in der jeweiligen Situation des Einzelnen Sinn und Hoffnung schenkt, den Alltag anzugehen und zu bewältigen.

Doch die Nähe und Kenntnis des Wortes Gottes, der Bibel, will nicht nur verstanden, diskutiert und eingeordnet  werden in die Weltanschauungen und Religionen. Es will zum persönlichen Zeugnis des Einzelnen werden.

Darum heißt es hier "und in deinem Munde". Die Worte, die aus unserem Munde kommen, bringen immer wieder, alles durch schreiend, unsere Grundüberzeugung zum Ausdruck. So bekommen Menschen in unserer Umwelt mit, wofür wir letztlich leben, streiten und kämpfen.

Wenn der Inhalt unserer Worte das erfahrene und bezeugte Wort Gottes ist, dann werden viele an Gott erinnert und ermutigt, zu ihm Vertrauen zu fassen.

So werden wir zum Zeugnis des allein wahren Gottes für andere.

Der Monatsspruch sagt noch mehr: "und in deinem Herzen". Das Herz steht in der Bibel immer für die Willensausrichtung eines Menschen. Wenn das Wort von Gott von uns aufgenommen wird, ist schon viel gewonnen.  Ehe es aber nicht unseren Willen  überzeugend durchhaltend bestimmt, wird sich nichts zur Ehre Gottes in unserem Leben ändern. Es geht also um die Einigung unseres Willens in den Willen Gottes. Davon spricht auch Jesus im "Vater Unser"; "Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden." Wo unser Wille sich dem Willen Gottes fügt, kommen wir nie zu kurz, sondern finden das volle Leben für uns und mit anderen in Gesellschaft und Welt.