Jesus Christus:

"Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!"

Lukas 10,5

Nicht jedes Wort der Bibel ist an jeden gesagt. Erst der Zusammenhang erschließt, wer gemeint ist.

In dieser Situation ist es ein Wort, dass Jesus an einen großen Kreis seiner Jünger richtet. Es sind Menschen, die an ihn glauben, ihm nachfolgen und sich willig ihm zur Verfügung stellen. Ihnen gibt er hilfreiche Hinweise, wie sie sich verhalten sollen. Ziel dabei ist es, dass viele Menschen vom Evangelium erfasst werden . Menschen sollen Gottes Liebe, seine umfassende Zuwendung in der kalten Alltagswirklichkeit erfahren. Damit das geschehen kann, ist es wichtig, dass die von Jesus Gesandten und mit der Kraft Gottes ausgerüstet sind, sich vorbildlich verhalten. Ihr ganzes Äußere soll dem Wesen des Evangeliums nicht widersprechen, sondern eine Öffnung für Gottes Liebe ermöglichen.

Von den Jüngern erwartet Jesus - und das gilt auch heute für jeden, der bewusst als Christ leben will - dass sie sich auf den Weg machen.  Christsein ist nicht allein für den privaten Bereich da. Immer, wo es bewusst und dankbar gelebt wird, weiß sich der Einzelne in die Geh-Struktur gewiesen. Ja, das, was er durch Jesus erlebt hat, muss andere erreichen, damit der Alltag nicht in der Gleichgültigkeit und Sinnlosigkeit versackt.

 

Beim Blick in die Gesichter der Menschen auf den Straßen, in den Geschäften, in  Zusammenkünften und in den Häusern fällt auf, dass die Freude und die Dankbarkeit kam zu finden sind. Die meisten sind unterwegs, um ihre Erledigungen zu schaffen. Sie sehen auf das Eigene. Sie haben kein Interesse und vielleicht auch keine Kraft, um das aufzunehmen, was andere bedrückt. Sie sind weithin von Angst gezeichnet. Nicht nur die Sorgenfalten sprechen für den belasteten Alltag. So ist jeder mit sich selbst beschäftigt und hat mit sich zu tun. Sie verlaufen sich in Hetze und Bedürfnissen, ohne das Leben zu ergreifen.

Selbst das "Hallo" und "Guten Tag" täuschen darüber nicht hinweg. Auch die Frage, "Wie geht es Ihnen" und "Eine schöne Woche" werden zu Floskeln, um sich nicht mit dem anderen einzulassen. In solche Befindlichkeiten der Menschen sind Christen von Jesus Christus gesandt, damals und heute!

Der Weg in die Häuser ist dabei sinnvoll.  Auf der Straße und zwischen Tür und Angel weiß sich keiner ernstgenommen. Zu Hause dagegen kann man sich Zeit nehmen, sich hinsetzen und ins Gespräch kommen. Da bringen sich Menschen entlastend zur Sprache - und das brauchen alle! Bei vielen Besuchen habe ich es erlebt, wie mein Gegenüber beim klingelnden Telefon den Hörer nur kurz aufnahm und zum anderen sagte, ich ruf später zurück, ich habe gerade noch Besuch hier.

Im Haus kann man sich Zeit nehmen, fühlt sich angenommen und kann sich öffnen für neue Informationen. Wo das dann geschieht, wird Mut in  Belastungen erfahren, Hoffnung erlebt, so dass man wieder getrost und kraftvoll den Weg fortsetzen kann.

Jesus geht es bei den Jüngern aber noch um mehr. Sie brauchen sich nicht nur den Sorgen, Ängsten und Herausforderungen der anderen zu stellen, Verstehen zeigen und Hilfen anbieten. Sie dürfen etwas von der Liebe Gottes bezeugen, die den Einzelnen in seiner Lage kennt, ihn liebt und immer für ihn da ist.

Ja, das ist es: Menschen in ihrer Situation in den großen Zusammenhang von Gottes Schöpfung, Geschichte und Vollendung zu stellen, die hilft, auch das Jetzt - wie immer es auch sein mag - aus Gottes Hand anzunehmen und sich ganz in seiner Liebe zu bergen.

Das ist gemeint: "Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus".  Dieser Friede wird da erfahren, wo Menschen entdecken, ich bin von Gott angenommen,  wie ich bin. Ich muss nicht mehr alles allein in meinem Leben bewältigen. Gott ist da. Ich darf mich ihm im Gebet anvertrauen. Gott will mich hören und mich ganz in sein Vertrauen ziehen. Gott möchte mit mir das Leben gestalten. Dazu gibt er mir sein Wort. Ich darf durch den Glauben an Jesus Christus sein Kind sein. So darf ich zu Gott rufen und beten: Abba, lieber Vater.

Wer so mit Gott in Verbindung steht und in dieser Verbundenheit mit Gott lebt, der hat Frieden mit Gott. Dessen Herz wird so mit Frieden gefüllt, dass er mit sich selbst im Frieden lebt und auf Frieden in seiner Umwelt aus ist.

Wo Gott seinen Frieden ausbreiten kann, da hören Zank, Streit und Krieg auf. Da kommen alle miteinander in guter und fürsorgender Liebe aus. Ja, sie erfahren so schon etwas von dem, was Gott mit dem Menschen und seiner Schöpfung  in Zukunft vorhat:

Ein Miteinander, das keine Störungen mehr kennt, sondern sich voll entfalten wird. Das ist die gelebte Weise im kommenden Reich Gottes.

Das zu sehen, das zu glauben und darauf hin zu leben: Das ist ein wahres Geschenk Gottes, schon jetzt!

Siegward Busat.