"Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden"

Lukas 24, 5 - 6

Wer sein Leben verantwortlich gestalten will, muss auf dem  neuesten  Stand sein. Das betrifft alle Bereiche der Forschung, Wissenschaft und Technik. Ein Meister in der Opelwerkstatt muss auf dem neuesten Stand sein, wenn er die Reparatur eines PKWs vornehmen lassen will. Ebenso betrifft es die Bereiche der Medizin, Psychologie, Pädagogik, Theologie und anderer Wissenschaften. Nur wer die entsprechenden Fachzeitschriften liest, die neuesten Erkenntnisse aufnimmt, sie in rechter Weise in seinem Leben einordnen kann, lebt gegenwartsnah. So kann er sich der Menschen in ihren Belangen und Krisen sinnvoll annehmen. So wird er ihnen Zukunft eröffne. Er kann ihnen helfen den Alltag - wie immer er auch sein wird - anzunehmen.

Leider ist das nicht immer der Fall. Viele Menschen bleiben In ihrer Tradition gefangen. Sie berufen sich auf ihre Erfahrungen und Meinungen der Massen. Doch so kann man nur im Gestern  der Geschichte Gottes leben und bekommt nicht mit, was heute in Wirklichkeit dran ist.

So ging es einst auch den Jüngern Jesu, den Menschen, die sich Jesus Christus verbindlich anvertrauten. Sie lebten noch ganz in ihren Vorstellungen an der Seite Jesu. Was in allen Wundern Jesu aufleuchte, dass Gott gegenwärtig durch ihn handelt, und das Reich Gottes für Israel eröffnet, bestärkte sie in ihren Erwartungen. Doch, dass ihre Illusionen vom Messias, den Gott verheißen hatte, durch Jesus keine volle Ausführung fanden, machte sie mutlos und verzagt. Mit dem Tod Jesu am Kreuz waren alle ihre Hoffnungen dahin. Sie zogen sich zurück und verfielen der Resignation. Jesus, auf den sie alles gesetzt hatten, war tot und wurde begraben, wie jeder andere. Dafür gab es Zeugen und an dieser Tatsache war nun nichts mehr zu ändern. Auch die Frauen, die in der Frühe des Ostertages zum Grab eilten, kamen nur noch um einem Toten ihren Dank und ihre Ehre zu erweisen, in dem sie ihn salben wollten.

Dabei lebten sie wie die Jünger noch im Gestern der Geschichte Gottes. Sie hatten nicht ernsthaft aufgenommen und in sich bewahrt, was Jesus einst "frei und offen"(Markus 8,32)  von sich sagte: "Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen"(Markus 8,31). Mit diesem Wort nahm Jesus eine der beiden Aussagen über den Messias, der zuerst den Leidensweg geht, auf(Jesaja 53, 2 - 12).

Die Jünger jedoch erwarteten einen Messias, der mit Macht das Reich Gottes für Israel(Apostelgeschichte 1,6) vor den Augen der Völker wahrmacht(Jesaja 9, 5 - 6). Da diese Aussage durch den Tod Jesu am Kreuz für sie dahin war, blieben sie in ihrem engen Erfahrungshorizont stecken(Lukas 24, 21). Jesus war nun tot und die Gott mit ihn angefangene Geschichte für immer erledigt.

Doch dass Gott seine Geschichte, wie im Prophetenwort(Jes 53, 2-12) noch zur vollen Ausführung bringt, wie sie Jesus schon angesagt hatte(Markus 8, 31), war einfach vergessen. So haben sie nicht mitbekommen, dass Jesus nach der Kreuzigung im Totenreich das vollbrachte Heil für alle Menschen verkündigte    (1. Petrus3,19).

Und dass Gott ihn von den Toten leibhaft auferweckte und er als der Lebendige, als Herr über Leben und Tod, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden(Matthäus 28, 18), wirklich persönlich da ist.

Erst die Begegnungen mit dem leibhaft auferstandenen Jesus überführte sie zu der Gewissheit: Jesus lebt! Gott hat ihn auferweckt. Er ist der Herr aller Lebenden und Toten. Er ist der Messias, der Menschensohn!

Die Jünger und die einst Jesus nahfolgenden Frauen erlebten ihn in den 40 Tagen nach Ostern. Dann wurden sie Augenzeugen seiner Himmelfahrt, seines Eingangs in die himmlische Welt Gottes. Zunächst blieben sie zusammen, hatten Zeit, alles durch Gott Geschehene aufzuarbeiten, sich in das Heute der Geschichte Gottes einzufinden.  Im Miteinander des Gebetes erfuhren sie die Kraft Gottes zum Aufbruch in die Welt. So hielten sie sich nicht mehr zurück. Sie  stellten sich in das Heute der Geschichte Gottes, der neuen Wirklichkeit Gottes in der Welt:

Die Schuldfrage des Menschen ist durch das Erleiden Jesu am Kreuz getilgt; die Macht des Todes ist durch Jesus zerbrochen; denn der Erste einer neuen Schöpfung: Jesus Christus lebt als Herr aller Menschen, Mächte und Naturgewalten.

Darum verkündigten die Jünger diesen Einen, Jesus Christus, und riefen die Menschen in das Heute der Geschichte Gottes. Immer wieder ließen sich Menschen zuerst aus den Juden und dann aus der Völkerwelt bis in unsere Zeit in dieses Heute der Geschichte Gottes rufen und leben mit dem gegenwärtigen Jesus Christus, dem Herrn, der zu seinem Wort steht und durch seinen Geist im Alltag bewegt, zur Freude Menschen und zum Lob Gottes beizutragen.

Wie immer das auch geschehen ist und auch in unseren Tagen geschieht, so bleiben doch die Massen dieser neuen Wirklichkeit fern und bleiben im Abseits des heute wirkenden Gottes. Sie versuchen es auf ihre Weise:

- das Gute im Menschen zu entfalten, ohne zur Vollkommenheit zu gelangen     
- in den Religionen mit  Opfer, Verzicht und Werken einen gnädigen Gott zu erreichen, ohne Gewissheit zu erhalten                                                                        
- halten sich an die Traditionen der Generationenfolge, denn was immer schon war, hat sich doch bewährt, auch wenn es die Sehnsucht nicht voll stillt                        
- verfallen manchen Ideologien und Illusionen und geraten in neue Zwänge            
- oder halten sich an die Norm, was gilt, alle tun und bei den Massen ankommt und verlieren sich an die Dinge dieser Welt

Doch in all dem bleiben sie im Gestern der Geschichte Gottes:

 Das zeigt sich im Streit und Krieg unter den Völkern, um Macht zu gewinnen, als sei mehr Macht sinnvolles Leben. In Afrika und in anderen Gebieten der Welt in der Verstümmelung von Mädchen und Frauen, als könnte man ihnen damit eine glückliche Zukunft ermöglichen.                                                                                                                     In der fehlgesteuerten Lebensweise durch den Islam; denn auf welche Wahrheiten kann sich der Islam berufen, wenn man den Islamforscher Hamed Abdel-Samad mit der "Abrechnung" über "Mohamed" folgt. In der Selbstverwirklichung des eigenen Lebens, in der keiner sagen kann, wer er selbst wirklich ist und in welchem Zusammenhang er sich wesentlich einordnen müsste? In der Verweigerung eines lebenden Kindes im Mutterleib in der Illusion, ohne dieses Kind das Leben besser genießen zu können.                                                              In dem Versuch das eigene Glück zu gewinnen und sich für die Zukunft abzusichern, in dem er sich auf die unsicheren Werte und Beziehungen verlässt?

Das alles ist versuchtes Leben im Gestern der Geschichte Gottes.

Wer im Heute Gottes leben will, vertraut sich Jesus Christus an und gestaltet mit ihm und der mit der christlichen Gemeinde sein Leben zum Lob Gottes.

Das ist es: Im Heute der Geschichte Gottes Leben, das setzt frei und hat Zukunft.

Siegward Busat.