"Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.Kolosser 4,6

 

Freundlichkeit ist gefragt. Menschen, die Freude verbreiten, hat man gern. Leute, die ihre Ziele formulieren, regen zu Neuem an. Überhaupt, in einer frohen Gesellschaft sind wir gern. Menschen, die noch etwas vorhaben, faszinieren und eröffnen neue Sichtweiten.

Manchmal wünschten wir uns im Alltag solche Begegnungen mit andern. Oft ist die Welt um uns herum so kalt. Alles läuft so sachlich und von Terminen diktiert ab. Da belasten Sorgen und Probleme das Miteinander. Dann sehen wir uns nach Menschen, aus denen die Freude d herausplatzt; ihre Fröhlichkeit uns mitreißt. Wir werden dann für eine kurze Zeit aus dem Alltagstrott heraus gerissen und atmen auf.

Doch das alles ist mit dem Wort aus dem Kolosserbrief nicht gemeint. Der Brief wendet sich an Christen aus den Nationen. Diese haben das Evangelium von Jesus Christus gehört und sich zu eigen gemacht. Es sind Menschen, die bewusst "an Christus glauben"(Kol. 1,1) und als die "Heiligen in Kolossä"(Kol . 1,1) benannt werden. Als "die Heiligen" sind sie aus den Nationen gerufen und stehen mit ihrem Leben Gott in der Welt zur Verfügung. Sie leben nicht weltabgewandt auf einer Insel der Frommen, sondern mitten in der Welt mit allen Schönheiten und Belastungen. In Freud und Leid sind sie wie alle anderen eingebunden. Auseinandersetzungen untereinander sind ihnen bekannt. Oft kommt es zu Herausforderungen durch Menschen, die außerhalb der christlichen Gemeinde leben. Es geht um den Umgang mit Menschen, die in anderen Religionen, Illusionen und Ideologien verhaftet sind.

Da prallen oft Meinungen und Erkenntnisse aufeinander. Da werden Einsichten und Überzeugungen behauptet. Ja, da stehen Alltäglichkeiten und Vorstellungen nebeneinander. Oft hat man die Verschiedenheiten und Unterschiedlichkeiten nicht gesehen. Man dachte, wir sind so sehr eins - und dann fällt auf einmal alles auseinander. Jeder beginnt seine Grundüberzeugung zu sagen. Jeder vertritt intensiv seine Ansichten. Besonders belastend wird es, wenn es um Religionen, Ideologien und den christlichen Glauben geht. Da ist jeder in seiner Tradition so verhaftet, dass er da keinen mitreden lassen will. Schließlich, so meint doch jeder: Religion ist Privatsache. Da will keiner von seiner Gewohnheit abweichen. Wer wollte schon zugeben, dass er bisher nicht in der vollen Wahrheit gelebt hat? 

In diese Situation ist das Wort gesagt. Es richtet sich an Christen, die in ihrem Glauben an Jesus Christus fest verankert sind. Sie haben zur Gewissheit des Glaubens gefunden. Ja, wiederholt haben sie Jesus Christus in den Kleinigkeiten des Alltags erfahren. Sie wissen um Gebetserhörungen und Ausrichtungen ihres Lebens durch die Bibel. So bekennen sie sich glaubhaft zu Jesus Christus auch in der Diskussion mit Andersdenkenden. Sie ziehen sich nicht zurück, sondern bekennen ihren Glauben vor anderen. Das ist nicht immer leicht; denn jeder bringt sich mit seinen Überzeugungen ins Gespräch. Ja, vielleicht will sich auch jeder mit seinem Glauben gegenüber dem anderen durchsetzen. Wenn das  dann nicht gelingt, zieht sich einer vom andern zurück. So stellt man sich ins Abseits.

So habe ich es in Dortmund-Dorstfeld erlebt. Zwei junge Frauen von den Zeugen Jehovas besuchten mich. Wir kamen  ins Gespräch, aber im Inhalt nicht überein. Wir gingen im Frieden auseinander - und wenn ich den beiden Frauen auf  der Straße begegnete, sahen sie weg. Für sie war ich eben nicht mehr da.

So soll es bei Christen im Gegenüber zu Menschen aus den Sekten und dem Islam nicht sein.

Unsere Aufgabe besteht darin, den Einzelnen in seiner Ansicht und Grundüberzeugung in ganzer Offenheit anzuhören und ernst zu nehmen. Wir sind an ihm interessiert. So kann sich der Andere frei äußern, ohne von uns gewertet zu werden. Wir gehen auf ihn ein und bringen mit innerem Respekt dem Anderen gegenüber zum Ausdruck, dass wir ihn achten und schätzen.

Zugleich aber reden wir auch von dem, der unser Leben neu ausgerichtet hat: Jesus Christus. Wir bezeugen dem Anderen unseren Glauben und was er für unser Leben bedeutet. Dabei ist zu reden von Vergebung aller Schuld, der verbindlichen Orientierung zum Leben, dem offenen Reden(Beten) zu Gott, der Gewissheit,  von Gott angenommen zu sein und der frohen Hoffnung, einst teilzuhaben am kommenden Reich Gottes.

Solches Reden und Bekennen unseres Glaubens im Gespräch mit jedem Andersdenkenden geschieht aber mit dem Respekt: Der Andere ist völlig frei in dem, was er glaubt und für richtig hält. Jedoch ohne den Anderen zu überreden, laden wir ihn ein, es mit Jesus Christus zu versuchen.

Damit sind wir offen für den weiteren Dialog mit dem Andersdenkenden. Wir gehen auf seine Fragen und Antworten ein. Wir versuchen ihm über Erlebtes hinaus aufzuzeigen, was Jesus Christus uns schenkt. Dabei bleiben wir an der Seite des Anderen. Wir lassen den Anderen teilnehmen, dass unser Glaube an Jesus Christus kein Zwang und Stress ist, sondern ein frohes und gewisses Weitergehen mit neuen Entdeckungen Gottes im Alltag.

Solches Reden ist dann vergleichbar mit dem Salz in der Suppe. Der Andere erkennt, unser Leben mit Jesus Christus hat eine Würze, die Sekten, Religionen und Ideologien in ihrer Verkrampfung nicht aufbringen können.

Mit dem  "allezeit" sind alle Situationen mit Menschen gemeint, wie unterschiedlich sie auch sind.

Siegward Busat.