"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.Apostelgeschichte 5,29

 

Bei diesem Wort muss ich an Siegfried denken. Er war der einzige Sohn in der Familie eines freien Vertreters im Gewürzhandel. In der Lüneburger Heide wuchs er auf. Der Wunsch des Vaters war, dass der Sohn eines Tages sein Nachfolger wird. Das wäre eine glänzende, finanziell sichere Karriere geworden: freie Zeiteinteilung im Alltag und Fahrten in der Lüneburger Heide mit vielen Kontakten - wer wollte das nicht?

Doch der Sohn gab dem Vater ein Nein.  Der Grund dafür war: Gott hatte ihn gerufen in die Äußere Mission. Diesem Ruf Gottes gab er mehr Raum, als dem Wunsch des Vaters. Das war nicht ganz einfach. Es kam zu manchen Auseinandersetzungen. Jedoch Siegfried konnte nicht anders, als Gott den Vorrang zu geben, ohne sich von seiner Familie zu trennen.

So besuchte er ein vierjähriges Predigerseminar. Sprachkurse im Ausland folgten. Dann war er mit seiner Frau bei der Überseeischen Missionsgesellschaft Jahre und Jahrzehnte in Ostasien tätig. Dort wurde er Vater von zwei Töchtern. Nach dem Erreichen der Altersgrenze kam er nach Deutschland zurück. Eine der beiden Töchter verblieb dort in der Missionsarbeit. Doch das Missionsanliegen blieb für ihn weiterhin seine Aufgabe. So setzte er sich ein, dass Chinesen in Deutschland christliche Literatur in ihrer Muttersprache ausleihen oder auch kaufen konnten. Vor Jahrzehnten berichtete er in unserer Gemeinde über seine Arbeit.

Überblickt man sein Leben, so war er finanziell nicht immer gut ausgestattet. Manchen Unsicherheiten war er ausgeliefert. Doch in allem strahlt er immer noch von dem, was Gott in seinem Leben wirkte und durch ihn wirken konnte.

Ein gelungenes und sinnvolles Leben. Ein Zeugnis dafür: "Man  muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Als dieser Satz das erste Mal gesprochen wurde, waren die Jünger Jesu in der Prozess-Situation vor dem Hohen Rat in Jerusalem. Ihnen wurde das freie Reden von Jesu Kreuz, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt verboten. Dieses Evangelium passte nicht in die Tradition der verantwortlich Frommen in Jerusalem. Aber die Jünger Jesu konnten aufgrund der Erfahrung mit dem Auferstanden und gen Himmel Gefahrenen nicht anders. Sie mussten Jesus Christus und das Heil, das er durch seinen Tod geschaffen hat, einfach weitersagen. Sie konnten von dem, was Jesus Christus für sie war und ist, nicht mehr schweigen. Diese Erfahrung des Heils musste allen ermöglicht werden.

So  bekannten sie vor dem Hohen Rat, dem verantwortlichen religiösen Leben im Judentum: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Damit setzten sie Gott, als den Herrn der Welt mit seinem Christusgeschehen, über alle gelebte jüdische Autoritäten. Auch wenn sie dabei ihr Leben riskierten:

Das Heil durch Jesus Christus musste alle erreichen können.

So und mit härteren Konsequenzen traf es den Pastor einer freien Gemeinde "Kale Hiwot"(Wort des Lebens) Ogbamichael Teklrhaimanot in Eritrea. Er wurde am 9. Januar 2005 festgenommen, weil er an einer christlichen Trauung

teilgenommen hatte. Zuerst folgten 10 Monate Einzelhaft in einem Militärlager. 2011 wurde er zeitweise frei gelassen. Beim Versuch, einem Gemeindeglied ins Ausland zur Flucht zu verhelfen, kam er erneut in Haft. Nun sitzt er seit 12 Jahren hinter Gittern und wurde von IDEA, einem Nachrichtenmagazin, in Verbindung mit der "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte"(IGFM) zum "Gefangenen des Monats Mai" erklärt.

Man bedenke dabei, nur weil er sich als Pastor einer nicht registrierten Minderheitskirche zu einer christlichen Trauung öffentlich bekannte und einem Gemeindeglied bei der Flucht ins Ausland sich zur Verfügung stellte, also für Christen sich einsetzte, folgten bisher 12 Jahre  Gefängnis.

Ja, das Bekenntnis zu Jesus Christus, in welchen Formen sich es auch gestaltet, ist in unserer Welt immer noch mit Benachteiligung, Verfolgung und  dem möglichen Martyrium verbunden. Auch wenn wir als Christen  hier in großer Freiheit leben, gehören die Christen doch zur weltweit größten religiösen Gruppe, die verfolgt wird.

Ob wir diese uns geschenkte Freiheit auch voll nutzen, wie einst die Jünger Jesu und der "Gefangene des Monats"?  So, dass das Evangelium von Jesus Christus viele erreicht? Was erfahren andere von uns über unseren Glauben? Was bezeugen wir in unseren Kontakten mit Andersdenkenden? Was würden wir für unseren Glauben an Jesus Christus riskieren? Ja, was ist uns persönlich der Glaube an Jesus Christus wert?

Siegward Busat.