Gott spricht: "Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein." Hesekiel 37, 27

 

Schon wenn Besuch sich anmeldet, sind wir erschrocken. Uns fällt dann eine Menge ein, was noch alles zu tun  ist. Da muss die Wohnung auf Vordermann gebracht werden. Der Einkauf ist zu überlegen. Blumen sind zu besorgen.  Das Unkraut im Garten und auf den Wegen muss entsorgt werden. Für Stunden sind wir wie aus der Bahn geworfen. Wir können unser vorgesehenes Programm nicht durchziehen. Eben, dann muss Einiges liegen bleiben. Zunächst geht es um den  Besuch und der soll uns in guter Erinnerung behalten.

Noch aufregender wird es, wenn sich Gäste, liebe Menschen, bei denen wir auch schon für längere Zeit waren, für einige Tage anmelden. Unabhängig ob es uns jetzt passt, sie werden in einigen Tagen auf der Matte stehen - und dann muss alles auf den Besuch ausgerichtet sein. Vieles ist zu überlegen: Wo und wie werden sie schlafen können. Was kommt mittags und abends auf den Tisch. Was können wir gemeinsam unternehmen, damit gute Eindrücke zurückbleiben; denn bei uns in der Gegend ist es ja auch schön und Besonderheiten zeigt man gerne.

Wir sind dann für Zeiten und Tage wie aus dem eigenen Programm genommen und müssen dieses und jenes zurückstellen, weil dafür dann keine Zeit bleibt.

Nicht wenige Gedanken steigen in einem auf. Wäre es nicht leichter, wenn sich der Besuch wieder abmeldet, damit die Lasten der Arbeit und Vorbereitungen uns erspart bleiben?

Was aber verlieren wir, wenn der Besuch nicht kommt. Eine Menge geht uns verloren. Neue Informationen bleiben aus. Denkanstöße, die uns andere Welten eröffnen, z.B. Eindrücke aus fernen Ländern, Begegnungen mit anderen Kulturen, anderen Religionen und ihren Wertsystemen. Viele Anregungen zur Kreativität und Hilfen zur Lebensbewältigung kommen nicht zum Zuge. Vor allem der Austausch und das Gespräch miteinander sind von großem Wert, in dem wir uns mitteilen und aneinander Anteil nehmen  - ohne Zeitbegrenzung . Bleibt der Besuch aus, dann geht uns eben manches verloren. Unser Alltag bleibt oberflächlich und langweilig. Eben, es passiert dann nichts Außergewöhnliches mehr. Alles bleibt beim Alten. Die Einsamkeit macht sich breit. Wer keine   Herausforderungen annimmt und sich ihnen stellt, wird eben auch alt und verliert an Lebenslust.

Das alles ist uns bekannt - doch wenn Gott zu Besuch kommt, passiert noch eine Menge mehr. Dann geht es nicht nur um das Gebet:"Komm, Herr Jesu,  sei du unser Gast...".

Manch einer will Gott gar nicht haben. Besser scheint es, man hat ihn im Rücken und lebt sein Leben auf eigene Weise, eben so, wie es einem gefällt. So hat man keinen, der stört, einen herausfordert und mit Arbeit belastet. Aber in dem man so weiter macht wie bisher, kommt auch kein Lichtstrahl in den grauen, oft harten Alltag. Man ist wie auf sich selbst getrimmt. Jeder rechnet mit seinen Möglichkeiten und Beziehungen - und das reicht nie aus für ein glückliches Leben. Jeder sieht neidvoll auf den anderen oder setzt sich ihm gegenüber durch. Jeder muss sich ja irgendwie zur Sprache bringen und auf sich aufmerksam machen und findet bei allen Unternehmungen keinen Sinn.

Drum brauchen wir mehr. Offenheit für Gott und sein Reden und Handeln. Wenn er nicht zu uns kommt, noch bei uns Eingang findet, bleibt bei uns alles in der praktischen Gottlosigkeit. Wer kann da schon bestehen, sich und den andern neben sich aushalten. Wenn wir nur auf uns sehen, dann geht uns bei den kleinsten Herausforderungen im Beziehungsgeflecht schon die Luft aus. Es kommt leicht zum Streit und zu Auseinandersetzungen, weil der andere - manchmal auch der Liebste neben uns - nicht unseren Vorstellungen entspricht. Dann sind wir enttäuscht vom anderen und ziehen uns zurück. Sich dann noch miteinander auszuhalten ist schwer, weil jeder sich selbst behauptet und nicht bereit ist, dem anderen entgegen zu kommen.

Darum brauchen wir alle für uns und unser Miteinander in Familie, Beruf und Freizeit, sowie in Gemeinde, Gesellschaft und Welt eine andere Autorität, die wahrheitsgemäß und lebensecht uns Orientierung schenkt. Diese Autorität ist nach Aussagen der Bibel Gott, der Vater Jesu Christi. Er ist der Schöpfer der Welt - auch unseres Lebens - . Er ist der Herr der Weltgeschichte und der Geschichten der Menschen. Ihm gehört die Zukunft; denn wer den Anfang des Daseins setzte, der bestimmt auch das Ziel allen Seins.

Dieser Eine, den wir alle unbedingt brauchen, um uns durch seine Orientierung - wie wir sie in den zehn Geboten haben - im Mitmenschlichen zurecht zu finden, ist für uns da. Wer sich an ihn wendet, bekommt Antwort und Wegweisung für das alltägliche Leben. Zugleich erhält er eine Grundorientierung für alles Leben in der Welt.

Ja, noch mehr:

Dieser Eine, Gott, der Vater Jesu Christi ist nicht nur für uns da, sondern er will bei uns wohnen. Er möchte in unserem Leben zu Hause sein.

Er will unser Gott sein, mit seiner schöpferischen Kraft, mit seinem Herrsein in allen Machtspielen der Welt und mit seiner Zukunft schaffenden Wirklichkeit.

Da wo er bei uns zu Hause ist, bei uns wohnt, beginnt ein neues Sein, das  Kraft hat, unser Leben von Grund auf  zu erneuern. Er vergibt Fehler und Schuld. Er befreit uns von uns selbst und Zwängen jeglicher Art so,  dass Gott mit seinem Willen unser Leben ausrichten und prägen kann.

Nur so will er bei uns zu Hause sein. Wo wir ihn so bei uns wohnen lassen und Raum geben, scheitern wir nicht mehr an uns selbst, sondern werden lebendige Zeugen Gottes in unserer Zeit. So stehen wir für den einen Gott, der wirkliches Leben schafft und eine neue Zukunft garantiert, in der Gott und Mensch in voller Harmonie leben und die Wirklichkeit des Reiches Gottes mitgestalten.

Wer sich auf diesen Gott, den Vater Jesu Christi, einlässt, der entdeckt:

nur so ist Leben sinnvoll in der Zeit und in der Ewigkeit.

Gott eröffnet eben ein volles Leben!

 

Siegward Busat