"Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens." Lukas 1, 78 - 79

Noch haben es viele nicht mitbekommen. Sie sitzen im Dunkeln. Finsternis umgibt sie. Eigentlich ist alles für sie wie eine Nacht, die sie in sich bannt. So wagen sie sich nicht von der Stelle. Sie sitzen da und rühren sich nicht vom Platz. Sie sind in Zwänge verwickelt wie von Fesseln gefangen und lahm gelegt. Es ist, als seien sie besessen von einer unsichtbaren Macht.

Dabei muss ich an junge Menschen denken, die unüberlegt in die Drogenszene geraten sind und keinen Ausweg mehr sehen. Sie sind abhängig von Drogen, immer nur noch auf den neuen Trip ausgerichtet. Um genügend Stoff zu haben, versuchen Sie  - egal auf welche Weise - sich Geld zu beschaffen. Manche rutschen dabei in die Kriminalität. Andere versuchen es, in dem sie sich mit ihrem Körper verkaufen. Sie sitzen fest und haben keinen Ausblick mehr.

         - In der BRD gab es 2016: 1333 Drogentote.

Dann muss ich an jene denken, die sich nicht nur an den Alkohol gewöhnt haben, sondern ohne ihn nicht mehr leben wollen - eigentlich nicht mehr ohne die Flasche auskommen und immer mehr absacken. Diese Abhängigkeit hat für alle in der Familie viele Nachteile und Herausforderungen. Für wesentliche Dinge ist kein Geld mehr vorhanden. Kinder werden nicht mehr verantwortlich begleitet. In der Wohnung  verkommt leicht alles, weil nur noch der Alkohol von Interesse ist. Leicht kommt es zum Streit und zu Auseinandersetzungen, weil immer mehr für den Alkohol ausgegeben werden muss. 

         - In der BRD gab es 2016 fast 15000 Tote, bedingt durch Alkohol.

Mir fallen Familien ein, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind und trotz allem Bemühen aus dieser Lage nicht heraus finden. So sind sie letztlich auf das Sozialamt angewiesen und leiden zutiefst darunter, dass Sie sich in der Gesellschaft nicht voll einbringen können. Wenn das dann zur Dauerbelastung wird, verlieren sie die Lust am Leben und auch am Arbeiten. So rutschen ganze Familien in die Armut, sitzen fest und kommen nicht von der Stelle. Wo gibt es dann noch Hoffnung auf Sinn im Leben?

         - In der BRD gab es Ende 2015: 16189 Menschen

Dann stehen die Alleinerziehenden vor meinen Augen. Sie haben ein schweres Los - ohne Partner bzw. Partnerin alles mit dem Kind, den Kindern allein zu bewältigen. Ob dann die Trennung  erst nach Jahren oder Jahrzehnten oder schon direkt nach dem Sex auf  Zeit erfolgte, ist je unterschiedlich von der Lebensbelastung, doch im Wesentlichen gleich: Enttäuschung und tiefe Einsamkeit. Mancher sitzt dann fest und wagt keinen neuen Anfang mehr, weil er das Vertrauen zu Menschen verloren hat. Keinen Menschen des Vertrauens zu haben jedoch ist wie ein letztes Gefängnis, wo von außen kaum noch Licht herein  fällt.

         - In der BRD gab es 2016: 1,5 Milionen Frauen und 157000 Männer.

Weitere Situationen könnte ich  nennen. Aber es ist schon genug,  die Nacht, die Dunkelheit und Finsternis im Heute aufzuzeigen.

Als dieses Wort zum ersten Mal formuliert wurde, kam es aus der Situation eines durch die Römer besetzten Israel. Nach dem der Priester Zacharias eine außergewöhnliche Gotteserfahrung im Tempel machte, bricht er auf in das Lob Gottes. Dabei ist ihm bewusst, es geht beim "um das aufgehende Licht aus der Höhe" nicht nur um mich und den verheißenen Sohn. Inhaltlich geht es um die Gewissheit " die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen." D.h. Gott kommt zu uns Menschen. Er hält sich nicht zurück. Er hat uns und alle, die in Finsternis  Dunkel sitzen,  vor seinen Augen. Wie immer diese Nacht und Dunkelheit, unsere Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit uns erfasst und in die Resignation reißen will:

Er ist da und kommt zu uns! Er will bei uns einkehren und zu Hause sein.

Daran erinnert die Adventszeit. Advent heißt Ankunft. Gott kommt zu uns. In Jesus Christus ist das buchstäblich wahrgeworden. Der Stall von Bethlehem erinnert daran. Und dann erst das Auftreten Jesu in Galiläa und Jerusalem. Wo er zu den Menschen redete, mit Sündern und Zöllnern intensive  Tischgemeinschaft hielt, Sünden vergab, Besessene aus dem Machtbereich des Teufels befreite, Kranke gesund machte und Tote auferweckte,

da kam das Licht aus der Höhe zu den Menschen im "Schatten des Todes".

Da kam Gott selbst zum Zuge in dieser Welt.

Wo Jesus hinkam, predigte und handelte, atmeten die Menschen auf, staunten über Jesus Christus und begannen Gott lauthals zu loben.  Sie erlebten: unsere "Finsternis und Schatten des Todes" sind vom aufgehenden Licht aus der Höhe durchbrochen. Jesus Christus setzt frei vom Gestern und eröffnet uns eine neue Zukunft. So können wir "unsere Füße auf den Weg des Friedens" ausrichten.  Das macht Mut und Sinn.

Wir alle können erheblich dazu beitragen, dass  sein Licht auch in alle Dunkelheiten dieser Welt fällt, durch : unsere Gebete, unser finanzielles Opfer und den persönlichen Einsatz von Zeit.

Mit Peter Strauch können wir deshalb schon singen:

        

         "Leben im Schatten, Sterben auf Raten.

         Haben wir was davon?

         Hass und Empörung , Leid und Entbehrung

         ist das die Endstation?

         Während die Fragen noch an uns nagen,

         kommt einer her und ruft:

         Lasst doch das Klagen, lasst es euch sagen:

         Freude liegt in der Luft.

                  Gott lädt uns ein, zu seinem Fest!

                  Lasst uns gehn

                  und es allen sagen, die wir auf dem Wege sehn.

                  Gott lädt uns ein! Das haltet fest, wenn wir gehn.

                  Worauf noch warten? Warum nicht starten?
                  Lasst alles andre stehn."

Siegward Busat