"Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun:

du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren"  5. Mose 5,14


Noch immer ist mir diese Situation vor Augen:

"Es hatte zwei Wochen lang geregnet. Dann öffnete sich der Himmel zum schönsten Tag, der sich denken lässt. Die Bauarbeiten sollten fortgesetzt werden, aber der Tagelöhner fehlte. Die Tochter des Baumeisters eilte zu seiner abseits gelegenen Hütte und fand ihn in der Sonne sitzen. Auf ihre Vorhaltungen erwiderte er:

"Glauben Sie im Ernst,

dass ich einen solchen Tag an Sie verkaufe?"

Ganz anders jener Bauer, der zu seiner Frau sagte, er wolle das "Südfeld" pflügen.

"Er machte sich früh auf, um den Traktor zu ölen. Da er noch mehr Öl brauchte, 

fuhr er zum nächsten Geschäft, um es zu besorgen.

Unterwegs fiel ihm ein, er hätte die Schweine noch nicht gefüttert. So gleich ging er zum Getreidespeicher, wo er einige Säcke fand.

Das erinnerte ihn, dass die Kartoffeln keimten. Also ging er in den Kartoffelkeller.

Als er am Holzstoß vorbeikam, fiel ihm wieder ein, dass seine Frau neues Holz zum Anfeuern brauchte.

Als er aber die ersten Scheite aufgehoben hatte, lief ihm seine kranke Henne über den Weg. Er ließ das Holz fallen und griff nach der Henne.

Als es Abend wurde, war er immer noch nicht mit dem Traktor aufs Feld gefahren."

Zwei Menschen, die ganz unterschiedlich mit ihrer Zeit umgehen:

Der Eine nimmt sich Zeit, macht Pause und nutz die Zeit für sich;

der Andere verliert sich in die Arbeit, immer Neues fällt ihm ein und am Abend hat er seinen Plan nicht erfüllt.

Zwei Menschen:

Der Eine kann arbeiten und gönnt sich Pausen, um dann mit neuer Motivation an die Arbeit zu gehen;

der Andere wird unkontrolliert Sklave seiner noch nicht erledigten Arbeiten und schafft nicht sein Programm.

Eben, wer sich nur in die Arbeit verliert, dieses und jenes tut, ohne sich Pausen zu gönnen, der findet nie zur inneren  Ruhe. Er bleibt ein Getriebener seiner Umwelt. Er findet nicht zur Stille, in der er überlegen kann, was dran ist,  um verlässlich und zielgerichtet  zu leben.

Darum sind Pausen in allem Ablauf von Herausforderungen und zu leistender Arbeit wichtig für einen jeden. Wer sich keine Ruhezeiten erlaubt, verfällt dem Stress. Er schadet langfristig seiner Gesundheit und wird so leicht zur Belastung für andere.

Selbst Gott  nimmt sich

         - nach den Aussagen im Schöpfungsbericht - 

nach seinem kreativen Wirken am sechsten Tag Zeit, schaut auf sein Schaffen an den sechs Tagen zurück und kann feststellen, dass alles "sehr gut" war

(1. Mose 1,31). So nimmt er sich am siebten Tag Zeit zur Ruhe und segnet den siebten Tag der Woche.

Wenn es heißt: "so vollendete Gott  am siebenten Tag seine Werke, die er machte"(1. Mose 2,2), dann nimmt das schon die ganze Geschichte in den Blick: Wir alle leben im siebenten Schöpfungstag, in dem Gott durch Jesus Christus seine Schöpfung und Geschichte zur Vollendung des  Reiches Gottes bringt.

Dafür steht das Kreuz Jesu Christi und seine leibhafte Auferstehung.

Da Gott den siebenten Tag segnete, dürfen wir alle bewusst unter dem Segen Gottes unseren Weg gehen und geprägt vom erfahrenen Evangelium den Alltag gestalten.

Das soll sich auch zeichenhaft erweisen, in dem wir den siebenten Tag der Woche

- seit Ostern, dem Tag der Auferstehung Jesu ist es der erste Tag der Woche, also der Sonntag -

mit Gott feiern und zur Ruhe kommen und zur Stille vor ihm finden.  Das wollen die Gottesdienste leisten.

Darüber hinaus ist die Ordnung Gottes als großartiges Geschenk an uns zu sehen und zu gestalten: mit dem Ehepartner, den Kindern und Enkeln, Verwandten und Freunden; einfach Zeit haben und feiern, spielen, Rückschau halten und Zukunft planen. Einmal nur alle dringlichsten und notwendigsten  Arbeiten zu verrichten - und die Zeit alleine und mit anderen voll genießen.

Beides gehört zur Gestaltung des Gott geweihten Feiertags:

sich auf Gott zu konzentrieren

und mit Menschen Zeit, entspannt und kreativ, zu erleben.

Wo das in unser Blickfeld kommt und verwirklicht wird, werden wir die Sonn- und Feiertage für Gott und uns freihalten. So erfahren wir, wie wir von Gott beschenkt werden.

Eben nicht wir schaffen alles im Leben selbst, sondern Gott ist es, der über Bitten und Verstehen sich unserer annimmt. Er kommt uns immer zuvor. Er eröffnet uns das Leben mit seinen vielen Möglichkeiten und auch den notwendigen Arbeitsraum.

Was hier von Gott gewollt ist, gilt allen Menschen, in allen sozialen Schichten

der Welt. Selbst die Tieren sind in dieses Programm Gottes eingeordnet.

Wer so den Sonntag genießen kann erfährt etwas von der Wahrheit:

         "Die Gegenwart ist die einzige Zeit,

         die uns wirklich gehört

         und die wir nach Gottes Willen nutzen sollen"(Blaise Pascal).

 

Siegward Busat.