"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt"  Hebräer 13,2 

                                               

Auf eine offene Tür geht jeder gerne zu. Dabei geht es nicht nur um die Neugier, wie das Haus im Innern ausgestattet ist, sondern welchen Menschen wir begegnen werden. In welche Atmosphäre kommen wir? Werden wir erwartet? Finden wir Offenheit für unsere Anliegen? Werden wir Neues kennenlernen? Lernen wir Menschen kennen, denen wir uns anvertrauen können?  Auf jeden Fall spricht eine offene Tür dafür. 

Wer Türen von innen verschließt, ist nicht für andere offen. Er hat sich nicht nur selbst eingeschlossen, sondern auch  vor anderen abgeschottet. D.h.  er hat mit sich selbst zu tun und mit sich selbst genug. Er nimmt nicht mehr am vollen Leben der Einzelnen, der Gesellschaft und der Welt teil. Somit erhält er auch keine neuen Informationen über andere Lebensweisen,  neue technische Errungenschaften und wissenschaftliche Ergebnisse von heute. Es wird nicht lange gehen und er lebt wie einst gesagt, hinterm Mond. Er verpasst den Anschluss an seine Zeit, also einer von gestern.

Wer jedoch seine Türen offen hält, kann das nur tun mit einem offenen Herzen für andere. Er ist auf Neues aus, da das Bisherige ihn nicht voll ausfüllt und sinnvoll erscheint. Sinn macht ja immer nur das in unserem Leben, was wir im Zusammenhang mit anderen erfahren und gestalten. Wer sich also für andere einbringen kann, erkennt nicht nur, dass er zum Guten anderer beiträgt.  Er wird auch in vielfacher Weise beschenkt. Das haben wir schon bei manchen Besuchen von Kranken, Älteren und Behinderten erlebt. Die Freude über unseren Besuch war groß. Wir wurden bereichert zu sehen, wie ein Mensch sein Leben trotz aller Einschränkungen bewältigt. Dankbar zu Gott und bescheiden kehrten wir frohen Herzens zurück.

In vielfacher Weise können solche Erfahrungen auch unseren Alltag bereichern. Der Verfasser des Monatsspruches  spricht von "Gastfreundschaft".                           

In der Antike wurde auf sie größten Wert gelegt. Sie bildete einen "nicht weg zu denkenden Bestandteil der Religion". NachZEUS  heißt es die "Fremden, Reisende und Fremdlinge standen unter dem Schutz des höchsten Gottes."     Bei den Juden gab es eine Redensart: "Sechs Dinge gibt es, deren Früchte der Mensch in dieser Welt isst und durch die sein Horn in der Welt künftigen Heils erschallen wird."  Die Liste beginnt: "Gastfreundschaft gegenüber Fremden und das Aufsuchen von Kranken "(nach W. Barclay, Brief an die Hebräer, S. 190).

Jedoch die "Herbergen jener Zeit  waren schmutzig, enorm teuer und besaßen einen schlechten Ruf. ..unbesonnene Menschen waren in ihrem Leichtsinn imstande, eine Herberge oder ein Freudenhaus zu führen"..." Beide Beschäftigungen" standen für den griechischen Philosophen THEOPHRASTUS (372 - 287) auf der selben Stufe. Demgegenüber wurden Gastfreundschaften in der Antike außerordentlich gepflegt (so W. Barclay, S.  190).

So war die Gastfreundschaft für Christen eine wesentliche Herausforderung, um Sklaven ohne ein Zuhause, Predigern und Propheten, die ständig unterwegs waren, Gastfreundschaft zu gewähren. Das war nicht nur mit Arbeit und Aufwand verbunden, sondern eröffnete Neues. Dazu gehört dann folgendes - nicht nur damals, sondern auch heute:

-  Wir geben dem anderen die Möglichkeit, sich offen und frei mitzuteilen,  mit all seinen Erfolgen, den  Belastungen, den Freuden und dem Versagen. Solche Sehnsucht nach Öffnung andern gegenüber, sich einfach nur selbst zur Sprache bringen zu können, ist das Bedürfnis jedes Menschen. Alle brauchen einen Menschen, der zuhört.  Das erfahren wir auch im Umgang mit Flüchtlingen aus dem Irak, Syrien und ...  Da zur Zeit der Abfassung des Hebräerbriefes vielfach Christen auf Geschäftsreisen waren, Wanderprediger das Evangelium weitersagten und Propheten unterschiedliche Gemeinden besuchten, berichten sie, was Gott an andern Orten gewirkt hat. Sie brachten nicht nur Erfahrungen mit, um Gott zu danken, sondern auch Anliegen zur Fürbitte. 

-  Zugleich wird uns die Chance gegeben, andern aus unserer eigenen Erlebnisvielfalt zu bezeugen, was uns in der freien Welt möglich ist. Dabei wird dann auch im Gegenüber zu anderen Religionen das persönliche Zeugnis kommen, was uns durch Gott in Jesus Christus zugeeignet wurde - und wie wir Jesus Christus Jesus im Alltag erleben. Wir werden das tun, ohne große Diskussionen zu veranstalten, ohne zwingend und wertend auf andere Einfluss zu nehmen.  Unser Glaubenszeugnis von Jesus Christus jedoch werden wir nicht verschweigen, sondern einladend weitergeben. Wenn nicht durch uns, wie sollen  sie von Jesus Christus, der das Heil für alle Menschen ist, erfahren? Zugleich werden wir auch die anderen mit ihren Anliegen in unseren Gebeten aufnehmen; denn Gott kann Menschen helfen und verändern.

- Ja noch mehr. Gastfreundschaft, die wir anderen von Herzen gewähren, bringt uns zur Erfahrung: Gott schickt uns Menschen in den Weg. Dabei ist noch nicht immer gleich erkennbar, dass Gott es ist, der neue Begegnungen schafft.          
So erlebte einst die Hure RAHAB, die Juden zum Schutz vor den Feinden zur Übernachtung aufnahm und versteckte, dass sie bei der Einnahme von Jericho durch die  Juden bewahrt wurde und ihr Name im Stammbaum Jesu wieder zu finden ist.                                                                                                                                   
ABRAHAM schenkt den drei unbekannten Männern Raum und versorgt sie. Im weiteren Gespräch mit ihnen erweist sich Gott durch sie mit seiner Verheißung des Sohnes, den SARA noch im hohen Alter zu Welt bringt.                           Selbst die Eltern  von Jesus finden in Bethlehem endlich Herberge  und in der Begleitung von Engeln und Hirten wird der Retter der Welt geschenkt.          Dann sind es auch die verfolgten Christen, denen die Gastfreundschaft in einfacher Weise in der Welt durch Menschen selbstverständlich gewährt wird. Schon das reicht nach den Worten Jesu aus: "ihr habt mir zu essen gegeben...zu trinken gegeben...mich aufgenommen... mich gekleidet..mich besucht...seid zu mir gekommen..."(Matthäus 25, 35 - 36). Jesus wertet solches Verhalten gegenüber den verfolgten Christen, ohne ein Glaubensbekenntnis zu fordern: "Was ihr getan habt einem von diesen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan"(Matthäus 25, 40).   

In herzlich gelebter Gastfreundschaft lernen wir Menschen kennen, die sich zur Sprache bringen, erreichen uns wesentliche Informationen aus anderen "Welten", eröffnen sich uns Möglichkeiten, Jesus zu bezeugen,                                             erleben wir Gott, Engel und Boten in Menschengestalt und Jesus selbst, der in verfolgten Christen uns begegnet.

Darum ist eine offene Tür unserer Herzen und Häuser ein wesentliches Moment unseres Christseins.

Siegward  Busat