"Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.."  1. Johannes  4,16

Das ist schon so etwas mit der Gleichung. In der Schule lernten wir schon:             
1 + 2 = 3 und dann ist 3 = 1 + 2 (oder 3 =  2 + 1). Was vor dem Gleichheitszeichen steht muss im Ergebnis, nach dem Gleichheitszeichen auch gleich sein.

Wenn wir das auf Gott übertragen: Gott ist die Liebe = die Liebe ist Gott, dann geht das nicht mehr voll auf. Wohl ist Gott die Liebe, aber nicht alles, was wir heute unter Liebe verstehen, ist Gott. Wenn das so gleich aufginge, dann wäre jede Liebe unter Freunden, die Nächstenliebe, die Feindesliebe, die Erotik und der Sex mit allen seinen Ausprägungen gleich Gott. Dann würden wir Gott in seiner ganzen Seins- und Wirkungsweise im Menschen erfahren. Die Konsequenz wäre dann: Was der Mensch nicht leisten kann, wäre Gott auch nicht möglich.  Gott wird auf die Möglichkeiten des Menschen eingegrenzt.

Gott aber als Schöpfer der Welt geht im Geschöpf nicht auf. Er bleibt immer der Schöpfer und der Mensch sein Geschöpf.

Das wird auch bestätigt durch das griechische Wort für "die Liebe". Es ist die Agape, die Liebe, die sich dem Menschen voraussetzungslos zuwendet.  Gott ist es also, der den Menschen mit allem Drum und Dran, mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liebt. Ja, Gott liebt über alle religiösen, moralischen  und nationalen Grenzen hinweg   - jeden einzelnen Menschen!

Diese Liebe ist wahr geworden in Jesus Christus. Er ging auf die Menschen zu. Er wagte mit ihnen Gespräche. Er lud sie ein in  seine Nachfolge. Er wollte allen, egal wie sie ihr Leben vermasselt hatten, einen neuen Anfang vermitteln. So feierte er zum Ärger der Frommen  mit verachteten Zöllnern und Sündern. Mit ihnen hielt er Tischgemeinschaft, um ihnen Gottes Liebe zu erweisen. Durch die Gemeinschaft am Tisch wollte er sie in seine Nähe  gewinnen. Er tat es, soweit sich die Menschen auf ihn einließen, durch Vergebung der Schuld und durch Befreiung von Zwängen und Bindungen.  Inmitten aller Aussichtslosigkeit der Einzelnen brachte er Orientierung im Alltag und Hoffnung auf das kommende Reich Gottes. 

So konnten Menschen aufatmen. Sie wurden nicht mehr behaftet mit ihrem vertanen Gestern, sondern konnten im Heute und Morgen neu anfangen zu Leben.

Die persönliche Erfahrung der Liebe Gottes, wie sie in Jesus Christus immer wieder bis heute in der Welt erfahren wird, zeigte ihnen, es gibt noch eine andere  Möglichkeit zu leben: Frei von allen Mächten in der Nachfolge Jesu das sinnvolle Leben zu gewinnen.  In dem sie sich an seinem Wort orientierten, mit ihm im Gespräch(Gebet) blieben, Gemeinschaft mit anderen Christen erlebten, kamen sie weiter, auch über menschlich gewachsene Grenzen hinweg.  Sie versuchten  - wie Jesus - sich anderen zuzuwenden, selbstlos und hingabebereit. Dabei erlebten sie von Gott zum Lieben motiviert, dass andere Menschen durch sie auflebten und zukunftsträchtig ihr Leben angingen. Die Missions- und Diakoniegeschichte haben es beliegt. Immer wieder in der Christenheit sind Persönlichkeiten bekannt geworden, die auf Grund der erfahrenen Liebe Gottes, sich an andern engagierten.  So trugen sie zur Freude, zum Mut und zur Hoffnung anderer bei. Ja, sie machten Gottes Liebe in der Welt wahr.

Solche hat der Verfasser im Blick: Menschen, die von der grenzenlosen Liebe Gottes so erfasst wurden, dass sie sich ganz in den Wirkungsbereich der Liebe Gottes hineinstellten. So wussten sie sich an Menschen in Not und Elend der Welt gewiesen. In der Verbundenheit mit Gott, erlebten sie Gott immer wieder neu, wie er sie im Alltag führte und das Leben von Menschen aufrichtete.

Aber sie wussten sich nicht nur an die Außenstehenden der christlichen Gemeinde gesandt, sondern konnten auch intern der Gemeinde anderen selbsterfahrene Schuld vergeben. Immer wieder neu waren sie  auf Versöhnung aus; denn Gottes Liebe will in allen Bereichen gelebt und erfahren werden. 

Wo Liebe, dem Wesen Gottes gemäß gelebt wird, finden Menschen im Vertrauen zueinander. Sie wagen sich immer neu ins Miteinander zum Dienst untereinander und in Gesellschaft und Welt. Ein solches Miteinander, in dem man sich in der Liebe trägt und durchhält, wirkt als echtes Zeugnis des Glaubens in der Welt. Wer so in allen Herausforderungen durchhält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 

Eine intensivere und umfassendere Verbundenheit als diese kann es in der Welt nicht geben:  "bleiben in Gott  und Gott in ihm". 

Das ist erfüllte Zeit in aller Vergänglichkeit dieser Welt. Es ist schon zeichenhaft vorweggenommene Zukunft des Reiches Gottes.

Siegward Busat.