"Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.""  Psalm 38, 10 
         

Das Reden von Gott hört auch in unserer Zeit nicht auf. Einige reden vom "lieben Gott". Andere fragen : "Warum lässt Gott das alles zu?" Dann gibt es die Leute, die Gott als Lückenbüßer benutzen z.B. "Gott, o Gott.". Andere machen Gott für ihr schweres Schicksal verantwortlich. Immer wieder hört man die Frage: "Womit habe ich das verdient?" Wer über die Welt und die Weiten des Universums nachdenkt, fragt sich, von wem das alles so geordnet kommt und besteht. Ist alles nur ein reiner Zufall? Nicht wenige treiben mit Gott ihren Spott und machen ihn zur Witzfigur. Wie immer der Mensch sich Gott gegenüber einordnet: Der Mensch kann Gott einfach nicht aus dem Spiel lassen, auch wenn er sich bei den Atheisten einordnet und ohne Gott sein Leben versucht.


Andere sehen in Gott den Schöpfer der Welt, den Herrn der Geschichte. Sie wissen um Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat und sprechen mit ihm immer wieder im Gebet. Es sind Menschen, die mit der Größe, der Liebe, der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit Gottes rechnen. Gott ist ihnen nicht egal. Ihm verdanken sie alles. Sie leben in einer Vertrautheit mit dem himmlischen Vater. Ihm können sie alles offen mitteilen. In Gott haben sie ihren Halt in den verschiedenen Herausforderungen des Alltags. Auch wenn sie den Augenblick noch nicht übersehen oder das Leid einordnen können, so halten sie sich an Gott fest, vertrauen ihm und warten auf seine Hilfe. Das ist eine große Ermöglichung, den Alltag immer wieder neu zu wagen, ja in letztem Gehaltensein zu leben.
Das ist nicht nur heute so. Schon in Israel lebten Menschen zu früheren Zeiten in dieser Vertrautheit mit Gott. Sie wussten sich letztlich in seiner Abhängigkeit und teilten sich mit ihrem Alltag, wie immer sie ihn erlebten, einfach offen mit. Da kam die Klage vor, das Lob Gottes, die eigene Schuld und die Rachegedanken gegenüber den Feinden, die sie als Gottlose erlebten. Dabei brachten sie zum Ausdruck: Für Gott gibt es keine Grenzen. Er hat alle Macht, auch wenn Menschen uns gegenüber meinen, sie seien die Machthaber dieser Welt. Auch in notvollen Situationen äußerten sie sich vertrauensvoll zu Gott.

Dafür steht der Psalm 38. In aller Offenheit spricht der Beter sein Sehnen aus. Genauer bringt das die neue Luther-Übersetzung zur Sprache: "Herr, du kennst all mein Begehren". Das "Begehren" macht deutlich, was ein Mensch zutiefst will, worauf er aus ist und wovon er nicht lassen kann. Dieses "Begehren" ist mehr als ein Wunsch und die Sehnsucht. Das "all mein Begehren" ist auch nicht immer nur positiv zu sehen. Darin ist auch alles vorhanden, was Menschen durch ihre Veranlagungen und Vergangenheit unbedingt wollen. In dieser Beziehung ist kein Bereich ausgenommen bis hin zum Hass, Missbrauch von Sex, Tötung und Mord.

Hier ist ein Mensch, der sich und Gott nichts mehr vormacht. Er ist so wie er ist, vor Gott und vor sich selbst. Und so bringt er sich zur Sprache, teilt sich Gott mit. Er kann ganz offen mit Gott umgehen in der Erwartung, dass Gott ihn nicht nur kennt, sondern sich seiner annehmen will. So lebt er vor Gott mit seinem Schuldigwerden, mit seinem Leid, mit seinem Erfolg und den Nachstellungen durch andere. Ist auch sein Leben nicht abgesichert, so weiß er sich doch in Gottes Hand aufgehoben.

Was auffällt, hier kommt nichts als Selbstrechtfertigung zur Sprache. Für sein Verschulden und seine schwierigen Verhältnisse, in denen er zu leben hat, macht der Beter nicht andere noch Gott verantwortlich. Vielmehr kommt alles, was ihn belastet, auch seine persönliche Geschichte ins Gebet zu Gott. Er nennt es: "mein Seufzen ist dir nicht verborgen". Das kann sich auf das Miteinander mit anderen beziehen oder auch nur auf sich selbst. Er leidet eben nicht nur durch andere, sondern auch an sich selbst, an seinem Versagen, seinem Unvermögen. So schreit er sich zu Gott aus. Auch wenn schon vieles vertan ist, so ist doch Gott immer offen für einen neuen Anfang mit uns und anderen.

Darum kann der Beter "Seufzen". Alles muss aus seinem Leben heraus und muss zu Gott, weil letztlich nur Gott sich unserer annehmen kann und die Wende schafft. So kann er vor den Menschen, die ihm nach dem Leben trachten und auf seine Situation ansprechen ,schweigen. Ja, inmitten aller notvollen Erfahrung ringt er sich durch:
"ich harre, Herr, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst antworten"(Psalm 38,16).
Damit klingt die persönliche Beziehung zu Gott an. "du, Herr, mein Gott".

Wir können das noch ganz anders, umfassender sagen; denn Gott ist der Vater Jesu Christi, der uns durch das Leiden, Sterben und Auferstehen seines Sohnes den Weg zu Gott frei gemacht hat. So können wir im Glauben an Jesus sagen: Himmlischer Vater, "du kennst all mein Begehren und mein Seufzen ist dir nicht verborgen".
So einfach ist das, Gott hört zu und nimmt an unserem Leben teil.

 

Siegward Busat.