"Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann"  Offenbarung 21,2

In unsere Augen fallen viele Bilder. Ja es sind nicht nur Bilder, sondern Tatsächlichkeiten: Menschen, Tiere, Sonne, Wolken, Mond und Sterne. Wir sehen Berge, Flüsse, Wälder, Seen und Felder. Wohin unser Auge schaut, nimmt es die Welt, nicht nur die Blumen, um sich wahr. Da gibt es nicht nur die schönen Dinge und die zukunftsträchtigen Ausblicke. Da staunen wir nicht nur über fröhliche und strahlende Leute. Nein, da springt uns die Not der Menschen in die Augen. Da sind die Bettler in den Fußgängerzonen und an den Kirchen. Da stehen Männer und manchmal auch Frauen mit ihrer Bierflasche am Kiosk. Da fallen uns die ängstlich verzerrten Gesichter auf. Familien in Armut durchkreuzen unsere Gedanken. Da bricht aus manchen Augen die Hoffnungslosigkeit hervor. Da sind Menschen gezeichnet von Enttäuschung und Resignation. 

Wir stehen vor der Frage: Wie wird das alles weitergehen? Werden die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft sich ihrer Verantwortung in der Gesellschaft und globalen Welt stellen? Wie wird der Krieg weltweit dem Frieden weichen? Wann endlich können die Flüchtlingsmassen in ihre Heimat zurückkehren und einen sinnvollen Neustart wagen? Wann werden Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit und Verschuldung wieder Mut fassen und an die Arbeit gehen?

Der Verfasser des Monatsspruches ist in einer schrecklichen Situation. Er ist gefangen, verbannt um seinen Glauben willen. Man hat ihn festgesetzt, so dass er nicht mehr das befreiende Evangelium von Jesus Christus weitersagen kann. Er sitzt sozusagen in seiner Zelle, auch wenn ihm manche Freiheiten im begrenzten Rahmen noch möglich sind.  Er sieht um sich die Menschen, die ihn bewachen. Er weiß noch nicht, wie das Urteil im Prozess über ihn ausfällt. Ohne zu träumen fasst er seine Situation ins Auge. Nüchternheit und Offenheit zeichnen ihn aus. Was er den Menschen in Kleinasien von Gott und Jesus erzählte, ist auch in seiner Krisensituation nicht vergessen. Er kann mit Gott rechnen, auch wenn sich an seiner beklemmenden Lage noch nichts verändert hat. Auch wenn die Tage und Zeiten ins Land gehen, so ist ihm Jesus Christus doch ganz nahe. In dieser Gewissheit des Glaubens kann er jeden neuen Tag wagen, annehmen und durchhalten, auch wenn sich noch keine Änderungen abzeichnen.

Und dann, mitten im Alltag der Belanglosigkeiten wird ihm sein Blick geöffnet. Er sieht nicht mehr alles ihn Belastende und Bedrohende. Auch nicht die Menschen um ihn herum. Selbst die Ängste und Fragen um die verwaisten Gemeinden in Kleinasien sind wie weggefegt. Auch was ihn an Sorgen um die eigene Zukunft bewegen mag, ist für Augenblicke nicht relevant. Wie gebannt wird er in eine neue Show gestellt, in eine Vision hineingerissen, die Gott ihm zu teil werden lässt. 

Im Rückblick hält er fest: "Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann."

Dabei ist die "heilige Stadt", "das neue Jerusalem" nicht nur von unaussprechlichem Glanz und überwältigender Pracht gezeichnet - wie man sie in Offenbarung 21, 10 -27 nachlesen kann. Sie ist ein Symbol für die neue kommende Welt des Reiches Gottes. Darin ist das Bestechende:        

                                                          Gott wohnt bei den Menschen.
Genau heißt es: "Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein"(Offenbarung 21, 3).

Also Gott und Mensch ganz nahe, nicht nur ein Gott Israels, sondern der Gott der Völker, ein Gott der ganzen Menschheit!

Dieses Miteinander von Gott und Mensch und der Menschen mit Gott hat weitreichende Auswirkungen:

Den in der Geschichte verströmten Tränen, dem sinnlosen Tod bedingt durch die Natur des Menschen und den Kriegen in der Welt, dem vielschichtig verursachten Leid, dem nicht eingegrenzten Geschrei der Menschen nach...  und den seelischen und körperlichen Schmerzen wird durch Gott der Garaus gemacht. 

So ist das Leben in voller Entfaltung und unbegrenzter Fülle möglich. Eben Leben in der Vollendung - so wie es sich kein Mensch ausdenken noch ausmalen kann. D.h. Frieden, der von innen gelebt wird und alle erfasst - ohne Ausgrenzung. Das, was der Mensch von sich aus in der ganzen Weltgeschichte nicht schaffte, wird durch den Gott des Friedens verwirklicht.

Dem Verfasser wird deutlich: Eine solche Zukunft ist nicht durch die Hand und Machbarkeit der Menschen möglich. Diese zukünftige Wirklichkeit kommt von Gott - im alten Weltbild des Verfassers - aus dem Himmel; denn der Himmel ist für ihn die Wohnstätte und Gegenwart Gottes. 

Ins Bild der "geschmückte(n) Braut für ihren Mann" wird die überwältigende Schönheit der neuen Welt gefasst. Es ist nicht nur eine äußere Schönheit, sondern eine Schönheit, die von innen kommt, von Gott gewirkt wird, und nach außen alles durchstrahlt.

Ein tolles Bild, eine Sichtweise Gotts inmitten aller Erfahrung von Ungerechtigkeit und Leid. Dem Verfasser wird dieser Blick eröffnet und diese Eröffnung bestimmt sein weiteres Leben. So kann er mutig, getrost und hoffnungsstark in die Zukunft gehen. Er verfällt nicht dem Augenblick von Not und Leid; denn diese Welt vergeht. Er hat Hoffnung!

Diese Gewissheit ist begründet mit den Worten Gottes, auf die er sich verlassen kann:

"Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein"(Offenbarung 21,7).

Wir alle können uns diesem Blick öffnen und unser Auge bleibt nicht stehen bei dem Jetzt der Not, sondern richtet sich auf die verlässlich angesagte Zukunft der neuen Welt Gottes. Das ist Hoffnung inmitten aller Leiderfahrung.

Siegward Busat.