"Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll"  Römer 8,18        

Das ist ein Satz, den man kaum nachsprechen kann. Das Leid, unterschiedlicher Art in dieser Welt, kann einem Menschen schon alle Hoffnungen zerstören.

Ich denke an einen Familienvater. Anfang der 40-iger Jahre. Er ist verheiratet und Vater von Kindern im Alter von fünf und sieben Jahren. Nach dem Studium in der Entwicklungsabteilung einer großen Fa. zukunftsträchtig tätig, erreicht ihn vom Arzt die Diagnose: wiederholt Gallengangkrebs. Es kommt zur OP, die positiv verläuft, aber im Nachhinein stellen sich viele gesundheitliche Probleme ein. Nicht nur das! In einer Nacht auf der Intensivstation greift der Tod nach ihm. Nur mühsam gelingt es den Ärzten, ihn am Leben zu halten. Es kommt nicht mehr zur vollen Gesundheit. Immer wieder neu treten Fieberschübe auf. Aufgrund von Durchblutungsstörungen sind die Hüften betroffen. Nun ist er an den Rollstuhl gebunden. 

Durch die Verrentung ist die berufliche Kariere dahin. Im Haus kann er sich nur mit einem Rollhocker und dem Treppenlift bewegen. In der Familie und Verwandtschaft halten alle in guter Weise zu ihm. Auf sie alle kann er sich verlassen. Er lebt bewusst als Christ, kann jedoch Gott in seiner Lebensführung nicht verstehen. Dennoch hält er an Gott fest; denn der Glaube an Jesus Christus ist für ihn das Einzige, was letztlich hält. Er resigniert nicht. Er gestaltet mit allen in der Familie sein Leben so gut es geht, wenn auch sehr begrenzt. Der nächste Urlaub ist schon fest gebucht. Wie wird seine Zukunft sein?

Das ist nur ein Leben, von Krankheit, Leid, Behinderung und vielen Fragen gezeichnet. Neben diesem Familienvater gibt es Unzählige, bei uns und weltweit, die von Not, Leiden, Unfreiheit, Unterdrückung, Missachtung und Versklavung betroffen sind. In unserer Zeit werden weltweit mehr als 200 Millionen Christen diskriminiert und verfolgt.  Unzählige werden in Zwänge und Unterdrückung getrieben. Auch Menschen anderer Religionen und Ideologien werden missachtet und verfolgt. Die ganze Geschichte der Menschheit - vor uns und heute - ist von Leiden vielfältiger Art nie frei - und wird es in Zukunft auch nicht sein. Als Menschen können wir wohl manchem Leid und Unrecht entgegenwirken, aber es kann nur zeichenhaft geschehen. Wir sind zu klein und niemand kann über alles verfügen.

Selbst Paulus, als Christ und leidenschaftlicher Missionar, bleibt aufgrund seiner konkret gelebten Gottesbeziehung und Christuszugehörigkeit das Leid nicht erspart. Es betrifft ihn körperlich und seelisch als Krankheit, Benachteiligung und Verfolgung um des Glaubens willen. An die Gemeinde in Korinth zählt er auf:
"Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen, auf dass auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleisch. So ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch"(2. Korinther 4, 8-11).

Einige Kapitel später führt er aus:                                                                          "...ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnot gewesen. Von Juden habe ich fünfmal erhalten 40 Geißelhiebe weniger einen; ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr von meinem Volk, in Gefahr von Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern,  in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, die Sorge für alle Gemeinden" (2. Korinther 11, 23- 28).

So immer wieder neu, um des Glaubens an Jesus Christus willen, vom Leid angegangen, kann er den Philippern schreiben: "Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht"(Philipper 4, 13). Damit bezieht er sich auf Jesus Christus, der ihm die Kraft und den Mut gibt, alles aus Gottes Hand anzunehmen und durchzuhalten.

Doch das ist nur möglich aufgrund seiner Hoffnung:"der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll"(Römer 8,18).

So ist sein Blick auf die Zukunft gerichtet, auf das kommende Reich Gottes. Diese Schöpfung hat schon wunderbare Schönheiten, ja auch unerklärbare Herrlichkeiten, wenn wir in den Kosmos blicken oder die Welt der Atome bedenken.  Was wird erst die Teilhabe an Gottes neuer Welt sein, wo es keinen Tod mehr geben wird, noch Leid, Geschrei, Schmerzen und Tränen.

Diese himmlische Welt ist dargestellt im Bild des neuen Jerusalems, die voller Glanz und Lichtfülle nicht zu überbieten ist. In ihr werden Gott und Menschen miteinander leben, jeder wird voll auf seine Kosten kommen und Gott loben.

Hedwig von Redern benennt es so: "Wenn nach der Erde Leid, Arbeit und Pein, ich in die goldenen Gassen zieh ein, wird nur das Schau'n meines Heilands allein Grund meiner Freude und Anbetung sein. Das wird allein Herrlichkeit sein, das wird allein Herrlichkeit sein, wenn frei von Weh ich sein Angesicht seh, wenn frei von Weh, ich sein Angesicht seh."

Diese neue Welt hat Paulus im Blick, wenn er aus dem Propheten Jesaja zitiert: "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben"(1. Korinther 2,9).

Gegenüber dieser Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden, verliert alles Leid, wie sehr es uns auch betreffen mag und uns an die Grenzen des menschlich Unmöglichen bringt, sein Gewicht.  Darum ist es wichtig, so sehr wir auch das Leid ernstnehmen und mühsam zu buchstabieren zu haben, diese Zeit nicht zum Eigentlichen zu machen. Es gibt mehr, mehr als Leiden und Verfolgung in dieser Welt. Es gibt ein Mehr als unsere Lebens- und Weltzeit. Die neue Welt Gottes steht an und wird eine volle Verwirklichung haben. Garantie dafür ist die tatsächliche Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

Je mehr wir diese Zukunft Gottes im Blick haben, umso mehr werden wir bewusst unser Leben in allen Herausforderungen annehmen und so gut wir können, Gesellschaft und Welt mitgestalten.

Dabei bleiben wir als Christen in allem Wirrsal dieser Zeit gegenüber anderen von Hoffnung bestimmt und beten wie es im Vater Unser heißt:                 "Dein Reichkomme."

Siegward Busat