"Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein."  1. Samuel 7,3       

Mit unseren  Augen nehmen wir die Umwelt wahr. Vieles kommt uns in den Blick: Die Schönheiten der Schöpfung, die Not der Menschen, der Stress im Alltag,  die Welt der wundervollen Musik, die vielen Worte und die Sehnsucht nach Ruhe. Immer wieder fällt Neues in unser Leben. Die Augen sind wie ein Fenster, durch das die Außenwelt in unser Inneres dringt.  Woran wir verweilen, worauf wir aus sind, was wir nachhaltig in uns bewahren, bestimmt unser Ich. Und das Ich ist  in der Sprache der Bibel das Herz.

So sind wir leicht fasziniert, von dem, was uns angeht und Großartiges verspricht. Wir sind zutiefst betroffen, wenn Leiden uns lahm legen.  Wir sind unsagbar enttäuscht, wenn uns vertraute Menschen verletzt haben. Wie immer wir dann auch dran sind: Wir sind gefangen im Jetzt, schauen zurück in die Vergangenheit und verpassen unsere Zukunft. Wir sind noch zu sehr auf das Vergangene fixiert und können nicht nach vorne blicken und unser Leben neu angehen.

So ging es auch den Israeliten zur Zeit des Propheten Samuel. Sie waren in der Auseinandersetzung mit den Philistern. Immer wieder von den Feinden angegangen, ging es um Leben und Tod des Einzelnen und des Volkes. So  suchten sie hier und da Hilfe. Anstatt sich auf den Gott Israels zu verlassen, streckten sie sich nach den Göttern ihrer Umwelt. Von ihnen erwarteten sie Hilfe, z.B. von der Astarte. Sie war eine "Westsemitische Fruchtbarkeitsgöttin,  deren Kult mit sexuellen Ausschweifungen verbunden war." Selbst der spätere israelitische König  "Salomo ließ ihr aus politischen Gründen - als Göttin der Phönizier- ein Opferheiligtum errichten ( 2. Kön 23,13)." 

Damit wird deutlich, wie  im Denken und Leben Israels die Götter der Heiden eine Rolle spielten. Die Götter konnte man sichtbar darstellen und im Kult konnten Menschen ihre ungezügelte Sexualität ausleben, verbunden mit Ausschweifungen jeglicher Art. Das war immer wieder eine Versuchung der Israeliten, die als Volk Gottes zum Segensvolk für die Heidenwelt gesetzt waren.

Wie die Heiden, so hatten sich auch Israeliten zu den Göttern gewandt, sie und deren Kult im Blick und verfielen dem heidnischen Treiben. Soweit sie sich darin festmachten, hatten sie Gott im Rücken. Sie hatten sich von ihm abgewandt.

In dieser Situation meldet sich der Prophet Samuel zu Wort. Mit ganzer Entschlossenheit ruft er dem Volk Israel zu: "Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu". Mit dem Herrn ist der Gott Israels gemeint. Gott, der mit seinem Volk bereits eine Geschichte gemacht hat. Gott, der dieses Volk trotz aller Eigenwilligkeiten und gelebten Gottlosigkeiten nicht aufgibt. Er ruft es immer wieder zu sich, damit Israel das sein kann, was er sich mit ihm gedacht hat. Eben Gott hält an seinem Plan und seiner Berufung Israels fest, auch wenn sich Generationen ihm verweigern.

Mit dem "Wendet euer Herz wieder zu mir" wird auf ein früheres Leben Israels hingewiesen.  Nun, nach dem es seine Gott gewollte Geschichte verlassen hat, soll es sich wieder zu Gott hinwenden. Da diese Hinwendung mit dem  Herzen geschehen soll, also mit der ganzen Inbrunst des Einzelnen, geht es auch zugleich um die bewusste entschlossene Abkehr von allen Göttern und Götzenkulten. Das ist ein willentlicher Entschluss, der konkrete  konsequente Schritte zur Folge hat. Es geht um ein Abbrechen der heidnischen Lebensweise und die Kehre, die Bekehrung zum Gott Israels.

Positiv formuliert das der Prophet Samuel "und dient ihm allein".

Dabei geht es nicht um diese und jene Aktion in Sachen Mitmenschlichkeit. Es geht auch nicht um eine formale Kirchlichkeit. Es geht auch nicht um eine soziale Einstellung, noch um eine fromme Haltung  nach außen. Es geht auch nicht um diese und jene aufopferungsvolle Tätigkeit in der Gemeinde.

Es geht beim Dienst für Gott  um das "dient ihm allein" . D.h. alles, was wir aufgrund des Glaubens an Jesus Christus tun, dass wir es für ihn tun. Wenn wir mit unserm Einsatz in der Gemeinde und Gesellschaft alles nur für und vor Menschen oder um der Menschen willen  tun, ist das zu kurz angelegt. Das zeigt sich immer wieder. Wenn der Erfolg ausbleibt oder wir durch Kritik von andern angegriffen werden, ziehen wir uns leicht zurück und versacken schließlich in der Resignation.

Viel wichtiger ist es, dass wir alles, was wir in der Gemeinde und Gesellschaft tun, für den Herrn tun, aus herzlicher Dankbarkeit für die erfahrene Liebe Gottes. Zugleich ist es dabei wesentlich, dass wir es aus der persönlichen Verbundenheit mit Gott angehen  und gestalten.

Wenn wir so alles für ihn, unserem Herrn, tun, werden wir unabhängig von Menschen und können unseren Glauben und unseren Dienst durchhalten, egal was Menschen von uns denken, auch wenn der Erfolg ausbleibt.

"dient ihm allein" ist dann noch folgenreicher. Es stellt uns  mit dem " allein" vor die Frage, was wir uns noch an  anderen Dingen für uns und die Welt leisten wollen und können. "dient ihm  allein" ist kein neuer Stress, sondern eine Freisetzung zum Leben zur Ehre Gottes. Menschen, die sich ganz im Dienst für Gott verzehrten, haben Geschichte gemacht.  Wer nur mit halben Herzen sich Gott zur Verfügung stellt, verfällt der Vergesslichkeit in der Geschichte.

Wer Gott dient, fragt nicht nach dem Ergebnis, sondern setzt sich ein in dem Wissen: Er kann daraus das machen, was ich noch nicht sehen kann. Schon mit einem Wort von mir oder einer kleinen Tat kann er Großes im Leben anderer wirken - wenn auch noch nicht heute, dann vielleicht in einem neuen Morgen Gottes.

Siegward  Busat.