Jesus Christus spricht: „Wachet!“                                          Markus 13,37       

 

Dieses Wort steht im Zusammenhang eines Gleichnisses:

Ein Mensch, wohl reicht an Gütern, Mitarbeitern, die sein Haus und damit auch seinen Besitz verwalten sollten, begab sich auf eine Reise. Bevor er aufbrach, gab er seinen Leuten Vollmacht und einen begrenzten Bereich, verantwortlich zu übernehmen. Dem Türhüter sagte er, er solle „wachen“. Da die Ankunft seiner Rückkehr noch nicht zu übersehen war, wandte er sich an alle: „Wachet!“ In dieser Wachsamkeit sollten sie alle, alles im Sinne ihres Herrn verwalten. Dann machte er sich auf den Weg.

So waren die Mitarbeiter alle verpflichtet, ihre Aufgaben bewusst zu erledigen. Besonders fällt in diesem Gleichnis das Stichwort „Wachet“ auf. Damit waren sie verantwortlich für alles Anvertraute. Sie mussten wachsam sein, damit nicht Diebe ins Haus einbrechen konnten und Hab und Gut ihres Herrn rauben. Die anderen Gefahren waren, dass sie mit dem Anvertrauten leichtsinnige Geschäfte abwickelten oder auf Kosten ihres Herrn sich persönlich bereicherten. Darum meint Wachsamkeit ein offenes und kritisches Verhalten zugleich, andern und sich selbst gegenüber. Dösen, Träumen und Schlafen im übertragenen Sinn darf dann keinen Raum haben.

Als Kinder brachte man uns das Lied bei: „Pass auf kleines Auge, was du sieht; pass auf kleines Auge, was du siehst; denn der Vater in dem Himmel schaut herab auf dich. Pass auf kleines Auge, was du siehst.“ Mit der dreifachen Betonung und einfacher Melodie, prägte es sich tief in uns ein. In den anderen Strophen ging es um das Ohr, das hört, um den Mund, der spricht, um die Hand, was sie tut, um den Fuß, wohin er geht und das Herz, woran es glaubt. Ich habe es auch im Kindergartengottesdienst gesungen und die Mitarbeiterinnen waren begeistert, weil es in einfacher schlichter Weise bewusst macht, dass wir in allem, was wir tun und lassen, im Blickfeld Gottes sind. Auch wenn die Mitarbeiterinnen es später auch noch mit den Kindern sangen, bleibt doch für mich die Frage, ob man Gott in seinem Tun und Lassen so einengen kann und ob es aus pädagogischen Gründen zu rechtfertigen ist.

Doch was mit dem Kinderlied zum Ausdruck kam, geht uns alle an, wenn wir das „Wachet“ Jesu ernstnehmen.

Die Augen sind das Einfallstor unseres Lebens. Was wird uns nicht alles in den Blick gerückt. Angefangen von der Werbung, bis hin zu Fernsehsendungen, ohne dass wir die Auswirkungen auf unser Denken und Verhalten übersehen können. Wer trifft hier schon eine gute Auswahl und Begrenzung?

Die Ohren nehmen viele Worte auf. Sie erreichen nicht nur unser Hören, sondern je nach dem, was wir hören auch die inneren Schichten unseres Lebens und betören uns zu unverantwortlichem Denken und Tun.

Der Mund bringt unsere Grundüberzeugung immer wieder zur Sprache. Wir reden von schönen Dingen und manchmal können wir das Böse nicht zurückhalten. Leicht verletzen wir andere.

Mit den Händen können wir vieles zur Freude anderer gestalten. Ein Händedruck z.B.  kann eine nahe herzliche Beziehung ausdrücken. Hände aber können nicht nur Gutes schaffen, sondern auch andere schlagen, quälen und töten.

Mit den Füßen können wir viele Wege gehen, solange wir noch gut auf den Beinen sind. Da gibt es viel Interessantes zu begehen oder auch zu besteigen. Es gibt aber auch Ziele, die uns nicht guttun. Manche sind in ihren versuchten Freiheiten in den Alkohol, in die Drogenszene geraten oder auch im Links- oder Rechtsradikalismus gelandet.

Das Herz steht für die Willensausrichtung des Menschen. Jeder Mensch glaubt an etwas. Das ist in den Religionen und im Atheismus nicht anders. Viele glauben an sich selbst, finden nicht zu sich selbst und können sich darum in ihrem wahren Menschsein nicht verwirklichen. Immer ist jeder Mensch durch Vorgegebenheiten beeinflusst und bestimmt.

Zum Erwachsenwerden gehört es, sich klar zu werden, woran man glaubt, wem man vertrauen kann. Hier geht es um alles oder nichts. Man muss sich der ganzen Wirklichkeit dieser Welt stellen.

Durch unsere Erfahrung stellen wir immer wieder fest, dass Nichts von Nichts kommt, weder in der Familie, in der Schule, im Studium noch in der Arbeitswelt. Auch im gegenwärtigen Geschehen hat alles in der Weltgeschichte seine Ursachen. Das ist auch im Universum nicht anders. Alles Beobachten im Kosmos weist zurück; denn jede Wirkung hat ihre Ursache. Das letzte Zurückdenken weist dann auf den Anfang der Zeit und da gibt es auch im naturwissenschaftlichen Bereich keine überzeugende Antwort. Hier versagen alle Wissenschaftsgebiete. Auch die Religionen in ihrer Verschiedenheit erweisen sich nicht als verbindliche Wahrheit.

Somit sind wir an das Evangelium gewiesen, in dem sich Gott durch Jesus Christus leibhaft in dieser Welt bezeugt hat: in Worten, Verhalten und Taten. Das betrifft nicht nur die Zeit der Bibel, sondern auch die Kirchengeschichte, Missionsgeschichte und Diakoniegeschichte. Und wer es heute für sich festmachen will, der braucht nur zu Jesus Christus offen und ehrlich zu beten und sich nach seinem Wort zu richten. Auf diesem Wege wird er Gott und Jesus Christus als wahre Wirklichkeit entdecken und sich öffnen für Gottes Zukunft mit der Welt. Alles geht letztlich um das Kommen des Reiches Gottes. Davon spricht Jesus, in dem er sagt: „Wachet“. Er kommt wieder in diese Welt und wird das Reich Gottes aufrichten. Darauf gilt es sich einzustellen.

Darum weist er im Gleichnis auf die Wachsamkeit hin. Wenn er kommt gilt es,   bereit zu sein, das Gut Gottes recht verwaltet zu haben und seine Anerkennung zu finden.

 

Siegward Busat.