Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.                                        
1. Petrus 14, 10       

(Mai 2020)

Im Herbst wird sie 93 Jahre. Eine Frau aus dem Ruhrgebiet. Seit Jahren allein in einer kleinen Einliegerwohnung. Immer noch geistig rege. So gut sie kann, auch zu Fuß mit dem Stock unterwegs. Regelmäßig nimmt sie noch an einer Bibelstunde im CVJM teil, zu der sie abgeholt und zurückgebracht wird. In jungen Jahren war sie in der Kindergartenarbeit tätig. Später als Krankenschwester. Ihren Mann pflegte sie durch schwere Krankheitsjahre hindurch bis zuletzt. Als Mutter und Großmutter nimmt sie, so gut sie kann, am Leben der Angehörigen und Bekannter teil. Doch dann bleiben noch viele Stunden, die sie in Einsamkeit verbringt. Diese Zeiten nutzt sie zum Basteln, nach dem sie nicht mehr die Leiterin eines Bastelkreises ist. Kommt man in ihre Wohnung, dann ist ein Zimmer mit Bastelmaterialen gefüllt. Hier sieht sie ihre Begabung und nutzt sie voll. Vor einiger Zeit erschien ein Artikel in der Zeitung.

Darin wurde bekannt, dass sie 1000 Babysocken gestrickt hat und diese einem Krankenhaus für neugeborene Kinder kostenlos zur Verfügung stellte. Darüber hinaus hat sie viele Bastelsachen bei Veranstaltungen verkauft und den Erlös dem CVJM-Weltdienst weitergegeben. Ist sie auch keine gute Rednerin, so hat sie doch viel zu erzählen. Immer wieder klingt bei ihr der Satz durch: „Ein jeder diene mit der Gabe, die er empfangen hat.“ So bastelt sie einfach weiter. Sie übernahm Bastelabende innerhalb von Bibelwochen. Den Gewinn gibt sie an gute Einrichtungen weiter und ist dabei eine sehr zufriedene Frau. Eben, sie dient mit der Gabe, die sie von Gott empfangen hat. Das füllt ihr Leben aus!

Mag jene alte Frau einmalig sein in ihrem Engagement, so ist sie doch nur eine von vielen unter den Christen in der Welt. Denn jeder hat Gaben, Fähigkeiten und Möglichkeiten, die er in den Dienst der Gemeinde, Gesellschaft und Welt stellen kann. Keinen hat Gott bei der Austeilung von Gaben vergessen. Sicher fallen sie immer wieder unterschiedlich und verschieden aus. Keiner hat und kann alles und keiner hat Nichts, was er nicht sinnvoll zum Einsatz bringen kann. Es kommt eben darauf an, zu erkennen, was Gott mir zugeteilt hat. Das Schielen auf das, was anderen gegeben ist und mir fehlt, schafft nur Unzufriedenheit. Wichtig ist, dass ich das, was Gott mir geschenkt hat und ermöglicht, voll zum Einsatz für andere bringe. Der Verfasser sagt: „als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes“.  So trägt es zur Freude anderer bei und ich kann dankbar und zufrieden tätig sein. Mein Leben hat einen Sinn auch in herausfordernden Zeiten. D.h. die Aufgabenstellung kann sich in unserem Leben auch verändern, wenn Gott unsere Fähigkeiten erweitert oder uns in neue ungewohnte Aufgaben stellt. Oft entdecken und entfalten wir erst unsere Gaben, wenn wir in konkrete Aufgaben gestellt werden.

Dabei ist es eine große Erleichterung, wenn wir mit Gott im Gespräch bleiben und so uns recht führen lassen. Dabei werden wir uns immer der neuen Situation zu stellen haben – und unser sinnvoller Einsatz wird möglich. Nie wird einem alles an möglicher Arbeit zugemutet. Wir werden auch nicht für alles zuständig sein; denn niemand kann die Welt wirklich verändern, noch die Nöte und Leiden aus der Welt schaffen. Immer bleibt uns nur ein kleiner Bereich, den wir beispielhaft übernehmen und gestalten können.

Wenn wir so im Gespräch mit Gott bleiben, dann werden wir vor persönlicher Sebstdarstellung und Übermut bewahrt bleiben. Denn aus uns selbst heraus haben wir nichts. Immer sind wir auf das angewiesen, was Gott uns schenkt und ermöglicht: zum Reden, Tun und Verhalten in dieser Welt.                                                                                   

Überlegen Sie einmal, was Gott Ihnen alles an Gaben und Möglichkeiten geschenkt hat. Nehmen Sie es dankbar aus seiner Hand an und stellen sie es ihm in den Dienst.   

Sich so dankbar und froh in den Dienst Gottes in der Gemeinde, Gesellschaft und Welt zu stellen, macht froh und frei  – ja eigentlich glücklich.                           

 

Siegward  Busat