Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.   1 Könige 19,7       

(Juli 2020)

Glück und Erfolg hat keiner auf Dauer. So sehr alles auch auf eine Zukunft aus ist, so gibt es doch immer wieder neu Herausforderungen. Sie zeigen sich im Angegangensein von Versagen, Unrecht, körperlicher Krankheit, seelischer Not. Wenn alles, worauf wir setzten, zerbricht, wissen wir nicht aus noch ein. Wenn sich dann noch Vertraute von uns abwenden, sind wir mit uns selbst zutiefst allein. Und wer nur sich selbst zum Inhalt hat, hält das keine lange Zeit aus. Wir durchleiden uns in unserer letzten Einsamkeit. Es ist alles wie auf den Augenblick fixiert. Wir entdecken uns wie in einer Sackgasse, aus der es kein Weiter mehr gibt. Dann sind wir nahe der Resignation.

Wer kennt solche Situationen nicht?

Das betrifft nicht nur Menschen, die sich selbstsicher geben und deren Leben von Leistung und Macht bestimmt ist. Auch einfache Leute, Christen, die an Gott und Jesus fest glauben, machen diese Erfahrungen durch. Die hohe Zahl der weltweiten Verfolgung von Christen bestätigt es. Aber auch in der freien Welt kommen Christen an den Punkt, wo sie den Durchblick verlieren und sich selbst nicht mehr verstehen.

An diesem Punkt ist auch Elia, der große Mann Gottes in der Geschichte Israels. Gerade hat er einen glänzenden Sieg über die Baals-Priester auf dem Karmel erzielt. Wir kennen alle die Geschichte, in der die Baalspriester sich blutig ritzten und zu Baal um Feuer vom Himmel schrien als Zeichen, dass er wirklich ist – und Baal trotz allem Einsatz seiner Priester blieb stumm und veranlasste nichts.

Ganz anders dagegen Elia, der das mit Wasser überschüttete Opfer auf dem Altar darbrachte, zu Gott betete und dann das Feuer vom Himmel fiel. Damit war die Wirklichkeit und Wirkungsmacht Gottes öffentlich klargestellt: Gott ist – Baal existiert nicht!

Dieses Großartige hatte das Volk Israel zum Zeugen. Die Tat Gottes war nicht mehr zu leugnen. Aber auch das andere sprach sich herum bis zur Königin: die durch Elia veranlasste Abschlachtung der Baalspriester, damit sie das Gottesvolk nicht mehr verführen konnten. Die Reaktion der Königin erreichte Elia: „Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, was du diesen getan hast!“ (1. Könige 19,2).

Wohl erschrocken und in existentieller Not „fürchtete er sich und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda“ (1 Könige 19, 3). Der große Gottesmann, eben noch in vollem Gottvertrauen, so dass er die Auseinandersetzung im Volk anging, läuft nun davon, weil sein Leben dem Tod ausgesetzt ist. Er lässt seinen Diener zurück und geht weiter „und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter“ (1. Könige 19, 4). Er flieht in den Schlaf.

Große Erfolge aufgrund von festem Gott-Vertrauen und starkem Jesus-Glauben sind noch keine Garantie, dass der Glaube gegen alles gewappnet ist. Immer haben wir es auch in den Geschichten der Bibel und im Leben von Christen mit dem Widersacher Gottes, dem Satan, zu tun. Auch vor den Großen in der Gottesgeschichte macht er nicht Halt. Nach vielen guten Glaubenserfahrungen bricht sich leicht der Zweifel in uns Bahn und will uns aus dem vertrauten Gottesverhältnis reißen. Oft ist es so, wie ich es von einem Theologen auf St. Chrischona hörte: „Auf jede Aktion des Himmels folgt eine Reaktion der Hölle.“

Elia bleibt in der Gottesverbundenheit, auch wenn die Angst ihn packte und er um sein Leben zu erhalten, weglief. Er meint schon alles in seinem Leben für Gott erreicht zu haben und möchte sterben.

Wer aber kann das schon sagen, dass es nicht weitergeht mit Gott, mit uns und anderen?

Elia wird durch die Berührung mit einem Engel, einen Boten Gottes aus der himmlischen Welt, geweckt, mit Nahrung versorgt und unter den Auftrag gestellt: „Denn du hast einen weiten Weg vor dir“ (1 Könige 19, 7).

D.h für uns alle, wenn wir an den Tiefpunkten unseres Lebens sind, ist Gott noch nicht am Ende. Er richtet auf, versorgt und beauftragt zu weiteren Schritten. Gott will nie, dass unser Leben in der Resignation endet. In Existenz-Krisen sind wir noch für ihn erreichbar. Er will mit uns noch weitergehen - und wir dürfen im vollen Vertrauen uns mit ihm in die Zukunft wagen.

 

Siegward  Busat