Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.   Psalm 139, 14       

(August 2020)

Ein Mensch, der sich voll bejaht und Gott gegen über seinen Dank zum Ausdruck bringt.

Ich muss an jene junge Frau denken, die in eine Bibelwoche kam. Sie stand vor den Informationen neben dem Büro. Ich konnte sie nicht als Frau und Teilnehmerin erkennen, denn sie war schlank und klein. Ihr Äußeres schien eher auf einen jugendlichen Jungen hinzuweisen. Dazu kam, dass sie behindert war, auch wenn sie für ihren persönlichen Bereich gut selbst sorgen konnte. Hier und da konnte sie auch in einem begrenzten Arbeitsfeld mitwirken, aber ohne Sozialhilfe reicht es im Alltag nicht. Immer wieder war sie eingeschränkt durch ihr Anderssein.

Doch wenn man sie ansprach, hatte man eine Persönlichkeit vor sich, die zu ihrem Sosein stand. Sie erzählte von früheren Unternehmungen. War auch jetzt sehr an der Umwelt interessiert. Einen Tag verabschiedete sie sich aus der Freizeit, um sich die Gegend am Rhein anzuschauen.  Großes Interesse zeigte sie am Volk Israel. Sie sah sich verbunden mit ihrer Familie und nahm an deren Alltag intensiv teil. In der Gemeinschaft war sie mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Gespräch. Sie integrierte sich ganz in die Gruppe. Hier und da kam auch ihr persönlicher Glaube zum Ausdruck, denn so wie sie war und ist, konnte sie sich dankbar aus Gottes Hand annehmen – trotz aller Einschränkungen.

Wenn ich zurückdenke, kann ich nur über diesen Menschen staunen, der froh, zuversichtlich und Jesus vertrauend sein Leben lebte und trotz aller Behinderung mutig und interessiert weiter ging.

Der Beter in Israel denkt im Gegenüber zu Gott zurück in die eigene Geschichte. Ihm wird klar, dass er schon im Mutterleib von Gott gebildet wurde. Gott also von Anfang an sein Leben im Auge hatte und durchwirkte. Noch mehr sagt er: „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war“ (Psalm 139, 16). Also schon vor der Zeugung und Gestaltwerdung im Mutterleib sah ihn Gott als Gedanke und Person und Persönlichkeit. Er sah schon den ganzen Lebensweg voraus und die Festlegung seiner gesamten Lebenszeit.

Das ist sicherlich auch erschreckend, doch auch voller Vertrauen. Was immer auch geschieht, mein Leben ausmacht, ich bin in Gottes Hand und in seiner Fürsorge. In allem ganz abhängig von Gott und zugleich in seiner Geborgenheit.

ARTUR WEISER fast es in die Worte: „Es ist Ehrfurcht und Vertrauen in einem. Gerade als Geschöpf Gottes empfindet er den unendlichen Abstand zum Schöpfer, weiß er, dass er kein eigenes Sein der göttlichen Wirklichkeit gegenüberzustellen hat, und kann nur in Ehrfurcht erschauernd vor dem erhabenen Geheimnis Gottes ihn preisend bekennen ob seiner Wunder. Doch er sieht nicht nur den Abstand von Gott. Dass seine eigene Existenz in das Gotteswunder der Schöpfung mit hinein verwoben ist, diese Erkenntnis führt ihn doch gleichzeitig  auch in die unmittelbare Nähe Gottes, in dessen Händen sein Leben steht, bei dem der sich geborgen weiß seit seiner Kindheit ersten Tagen.“ (ATD, Seite 556 - 557).

Das gilt dann nicht nur im Rückblick auf das Leben des Beters im Psalm 139, sondern umfasst auch die Gegenwart und Zukunft. Wäre es nicht so, hätte der Beter sich nicht so in der jüdischen Gemeinde und damit auch in der Öffentlichkeit der Juden zum Ausdruck gebracht.

Das stellt uns heute vor die Frage, wie wir uns sehen und in den gesamten Schöpfungsablauf Gottes stellen. Diese Frage wird von Menschen unterschiedlich gesehen und beantwortet:   

Entweder ich behaupte mich selbst als Herr meines Lebens und gestalte mich in meiner Selbstverwirklichung - ohne in Krisenseiten das Gegenüber Gott zu haben, oder ich nehme mich mit allen Fähigkeiten und Begrenzungen bewusst und dankbar aus Gottes Hand – und habe in allen Situationen einen Vater im Himmel, der alles kann und mich nie allein lässt.

Jene Teilnehmerin in der Bibelwoche nahm sich mit allen Gaben und Begrenzungen aus Gottes Hand und lebte zukunftsträchtig und interessiert an allem in Gottes Schöpfung.

 

Siegward  Busat