Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;

Denn wenn’s ihr gut geht, so geht’s euch auch wohl.                      Jeremia 29,7       

                                                                                     

(Oktober 2020)

Noch nicht zu allen hat es sich herumgesprochen: In Dortmund gibt es eine Aktion, in der sich regelmäßig junge Menschen treffen. Diese Gruppe nennt sich „Ge(h)bet“, arbeitet innerhalb der Ev. Allianz Dortmunds und trifft sich einmal monatlich an verschiedenen Orten in der Stadt, um für die Stadt zu beten. Dabei werden die sozialen Belange aufgenommen, wird für die Politiker vor Gott Fürbitte eingelegt und die Fragen von Wirtschaft und den gegenwärtigen Herausforderungen werden aufgenommen.  Ge(h)bet steht dann für das Hingehen, wo die Menschen sind, und zu Gott, dem Herrn der Geschichte, zu rufen.

Das ist eine gute Sache, die bestätigt, dass es junge Menschen gibt, die für unsere Stadt noch Erwartungen von Gott haben.

Das ist Ausdruck von Hoffnung, die der Resignation entgegenwirkt. Anders gesagt: Gott kann Menschen bewegen, sich vermehrt für das Gute einzusetzen, sich der Nöte anderer anzunehmen und Licht in manche Trostlosigkeit zu bringen.

Trostlos war es damals auch im Exil in Babylon. Das Gericht Gottes war über sein Volk hereingebrochen, so dass Heiden die Macht ergriffen und die Israeliten fern der Gottesstadt Jerusalem und des von Gott verheißenen Landes, den Alltag, umgeben von gelebten Gottlosigkeiten und mancher Religiösität der Heiden, zu leben hatten.

Da waren schnell die falschen Heilspropheten auf dem Plan. Sie verkündigten die baldige Rückkehr in die Heimat und verführten so das Volk Gottes.

Das greift Jeremia mit seinem Brief ca. 594 v Chr. ein. Er weist damit auf die Illusion durch die falschen Propheten und will so der Niedergeschlagenheit und Verzweiflung der gefangenen Israeliten entgegenwirken. Im Auftrag Gottes schreibt er den Verbannten im Exil: „Baut Häuser und wohnt darin, pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet“ (Jeremia 29, 5-6).

Ein mutiges und herausforderndes Wort an alle, die vom Gericht Gottes in der Fremde betroffen sind. Entgegen aller falschen Propaganda, setzt der Prophet in der damaligen Lage Hoffnung. Damit wird deutlich, Gott hat sein Volk nicht aufgegeben, auch wenn er sein Gericht an ihm vollzog. Auch wenn Gott ein klares Nein setzt zu allem Ungehorsam und der Eigenwilligkeit in seinem Volk, so will er dennoch den Menschen in seine Gegenwart gewinnen. Auch wenn die verbannten Israeliten andere Wünsche und Erwartungen hatten, geht Gott mit seinem Volk auf nicht geahnte Weise zur Rettung Israels vor. In dem Gott nicht kurzfristig auf die Erwartungen der Menschen eingeht, so hat er doch Zeit, um sein Volk zur Einsicht und zur Neuorientierung zu gewinnen. Dazu braucht es manchmal viel Zeit – damals ca. 70 Jahre bis Israel wieder in die Heimat konnte.

Darum sollen die Israeliten unter den Heiden Häuser bauen, Gärten anlegen, sich auf eine längere Zeit einrichten und sich auf vielfache Weise mehren, damit sie als Volk Gottes auch in aller Fremde weiterhin  bestehen können.

Das ist mit Arbeit und Mühe verbunden, mit Ausdauer und Krafteinsatz, um den Alltag anzugehen und Zukunft zu gewinnen. Das geht nicht ohne innere Herausforderungen. Soll man im Heidenland als Volk Gottes für das Beste der Heiden in der Stadt sorgen?

Der Prophet sagt Ja; denn wo Israel seinem Gott folgt und dient, schafft es auch in der Welt – auch unter Gottlosen – Zeichen des gegenwärtigen, richtenden und barmherzigen Gottes.

Damit noch nicht genug. Der Prophet ruft auf: „betet für sie zum Herrn“. Damit kann Israel die Feinde, die sie aus ihrer Heimat entführt haben, unter denen sie leben müssen in die Gegenwart Gottes bringen. Schon leuchtet beim Propheten auf, was Jesus in der Bergpredigt zum Ausdruck bringt: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel“ (Matthäus 5,43-44).

Wer sich dazu entschließt für alle, die ihn nicht mögen, ihm Unrecht getan haben oder zum Feind geworden sind, zu beten, der wird frei  vom psychischen Druck und dem Vergeltungsdenken und rechnet mit Gottes Veränderungen bei sich und anderen.

Welch ein helfendes Wort des Propheten – damals an die Verbannten und heute an uns!

Siegward Busat

 

 

Siegward  Busat