Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.                      Jeremia 31, 9       

In diesem Monat gehen viele zu den Friedhöfen. Sie tragen Leid um einen lieben oder sogar um den liebsten Menschen. Sie denken zurück an gemeinsame Zeiten. Da gab es viel Schönes und Erlebnisreiches, aber auch eine Menge an Leid und Einsamkeit. Nun ist alles Gemeinsame vorbei und jeder hat seinen Weg weiter zu gehen. Die niederzulegenden Blumen oder ein Gesteck drücken noch unsere Dankbarkeit gegenüber dem Verstorbenen aus. Doch mancher ist auch nach Jahren noch von Trauer und tiefer Betroffenheit gezeichnet. In einsamen Stunden fließen noch Tränen; denn der Verlust ist groß und das Alleinsein schwer durchzuhalten. Soll das gute Miteinander nun für immer vorbei sein?

Das Leid vielfältiger Art bewegt in unserer Zeit viele. Da ist die Krankheit, die noch nicht in ihren Ausmaßen zu sehende Corona-Pandemie, die körperliche Behinderung, das Alter mit seinen Lasten, die Enttäuschung an Menschen oder auch die schweren Schicksalsschläge. Da erfasst uns die Hoffnungslosigkeit, wenn wir an die Kriege, den Hunger, die Klimaveränderungen denken. Da fällt uns in den Blick wie Rassismus und Gewalt in den Demonstrationen sich breit machen und sich Gehör verschaffen wollen. Mit hinzu kommen die Naturkatastrophen, der sich ausbreitende Islam und die Angst, was noch alles auf uns, unsere Kinder und Enkel zukommen kann.

Das alles und anderes mehr nimmt uns die Fröhlichkeit und engt unseren Mut und die Schaffenskraft ein. Wenn das alles auf uns innerlich einstürmt, sind wir nahe der Trauer und auch den Tränen.

Diese Erfahrung, wenn auch anders verursacht, hat Israel in der Geschichte immer wieder neu durchgemacht. In Ägypten mussten sie unter Pharao in der Sklaverei ihr Leben fristen. Nach dem Auszug von dort waren sie auf dem Wüstenwege immer neu herausgefordert. Von Feinden bedrängt und der Gefahr ausgesetzt, den erfahrenen Gott mit den Göttern der Umwelt einzutauschen. Ja manchmal auch vom gottlosen Treiben in der Heidenwelt versucht und dem verfallen. Trotz Boten Gottes und Propheten Gott ungehorsam und dem eigenen Wollen und Zielen ausgeliefert. Gott trug dieses erwählte Volk jeweils durch Zeiten bis er durch die Völker der Welt, seine Gerichte an seinem Volk vollzog. Das gab es wiederholt bis dann Israel und Juda – die beiden Bereiche des Volkes Gottes – durch die Einnahme des Landes durch die Babylonier ins Exil mussten. In all den Erfahrungen im Exil waren sie fern des Tempels und dem von Gott ihnen zugesprochenen Land, ca. 70 Jahre. Danach wurden sie durch den Perserkönig Cyros, der die Babylonier bezwang, auch frei wieder in die Heimat zu ziehen, wohl gruppenweise.

Für diesen Weg zurück ins Land Gottes spricht Gott: „Sie werden weinend kommen“. Darin klingt die Schuld des Volkes an; denn das Gericht Gottes hatte sie schwer getroffen. So können sie nicht nur jubelnd aufbrechen, sondern klagend, jammernd und weinend; denn nun müssen sie wieder alles aufbauen, was ihnen vor dem Exil zu eigen war.

Wie immer auch. Gott verheißt ihnen, spricht ihnen durch Jeremia zu: „aber ich will sie trösten und leiten“.

Erstaunlich: Gott wendet sich dem zurückkehrenden Volk zu. Er nimmt an ihrem Ergehen, ihrem Leid und dem Weinen teil. Trösten heißt ja: Ich bin auch gefühlsmäßig bei euch. Ich bin an eurer Seite, was immer euch auch bewegt, betrifft, bewegt, herausfordert. Ihr seid nicht allein. Das ist ja das Tröstliche, wie wir es in den Armen und am Herzen unserer Mutter erfahren haben, wenn wir zutiefst enttäuscht und traurig waren. Wir entdeckten, wir sind in den Armen der Mutter nicht allein, sondern geborgen und so voller Tröstung und Zuversicht.

Aber noch mehr wird hier von Gott ausgesagt: „und leiten“. Gott nimmt sein zurückkehrendes Volk unter seine Führung. So kann das Volk orientiert an Gott und seinem Wort, seine Zukunft angehen und gestalten – voller Hofnung!

Was Israel zugesagt ist, gilt auch der verfolgten christlichen Gemeinde – und es sind z.Zt. 200 Millionen Christen, die weltweit verfolgt oder diskriminiert werden. Gott nimmt sich ihrer im Heute an, nimmt teil an ihrem Ergehen. Gott steht ihnen bei in allem durchzumachenden Leid und wird sie einst – auch trotz allem Weinen - trösten und aufnehmen in sein himmlisches Reich.

Und für uns gilt, in allem, was wir durchmachen müssen und uns zugemutet wird: Gott ist als Vater Jesu Christi für uns da, nimmt Anteil an unseren Sorgen, Ängsten und Leiden. Er kennt die schlaflosen Nächte, unsere Engen und das tiefste Alleinsein. Wir dürfen uns ihm im Gebet anvertrauen und werden erfahren, dass er uns durch sein Wort und seine unsichtbare Gegenwart in seine Geborgenheit gewinnt. So können wir aufatmen, werden nach ihm und seinem Willen für uns fragen. So erfahren auch wir, dass er uns „leiten“ will. So finden wir ins Vertrauen zu ihm und er will uns in die Zukunft seines Reiches gewinnen. Welch ein Trost und welche Hoffnung für alles, was noch vor uns steht.

 

Siegward  Busat