Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht seinem Fleisch und Blut!    Jesaja 58, 7       

Dieses Wort wurde einst durch den Propheten an das Südreich Juda in Israel gerichtet. Es meint die Zeit nach dem Exil aus Babylon, der Gerichtskatastrophe Gottes an seinem Volk. Während die Juden wieder in ihrem Land sind, Häuser und den Tempel aufbauen – also ihr Leben ausbauen und gestalten, denken viele nur an sich. Doch neben ihnen haben die „Notleidenden…die Schar der sozial Schwachen“ ihr Dasein zu fristen. „Entrechtete, Ruinierte, Sklaven, Gefangene, Hungernde, Heimatlose, Frierende“, (Volz, zit.  ATD, Jesaja, S. 269) werden übersehen.

So meldet sich der der Prophet zu Wort. Man kann auch als Volk  Gottes nicht dem Herrn der Geschichte dienen mit Fasten und Beten, wenn man den Armen und Elenden, den Bedürftigen und Einsamen neben sich vergisst. Gott ist ein Gott aller Menschen und er will, dass allen Gerechtigkeit widerfährt. In besonderer Weise geht es die an, die Gott vertrauen und lieben, also auf der Seite Gottes leben wollen.

Das ist auch Friedrich Falkenroth, von der Hestert, geboren 1835, mit 48 Jahren bewusst geworden. Als Sohn eines Hammerschmieds „lernte er schon recht früh…mit der Hände Werk sein Brot zu verdienen… und arbeitete als Meister in der Hasper Hütte.“ Dann übernahm er es „mit seinen Pferden Kohlen und Stückwerk zu Fabriken und Wirten“ zu bringen.     

Er schreibt später über seine Veränderung des Lebens:
„Ich hatte damals einen Mieter Namens Hamburg, von dem alle wussten, dass er ein Trinker war. Auf einmal hieß es: ‚Hamburg ist bekehrt – er säuft nicht mehr! …  Bekehrt?‘ Als ich Hamburg danach fragte… ‚Was ist denn das?‘, redete er nicht lange herum, sondern nahm mich in einen Hausbibelkreis mit. Dort lernte ich eine völlig neue Welt kennen, der ich auch gerne angehören wollte. Von da an stellte ich mein Leben unter die Führung von Jesus Christus und meine Kraft gehörte von da an der Reich-Gottes-Arbeit.“…“ Er… wollte anderen Menschen von seinen Erfahrungen erzählen, denen, die in Not sind, helfen.“ Neben dem Mieter Hamburg kam es zur Begegnung in Haspe mit Pfarrer Arnold Bovet, dem Gründer des Blauen Kreuzes in Genf, der für die Arbeit an Alkoholikern warb. Für Friedrich Falkenroth war die Alkohol-Problematik nichts Neues. Er „zeigte sich begeistert von der Idee und verpflichtete sich als einer der ersten zur völligen Enthaltsamkeit von alkoholischen Getränken. Er wollte ein Vorbild der Süchtigen sein. Mit Leuten, die er einst unterstützte in der CVJM-Arbeit, fand er willige Helfer und gründete mit ihnen einen Blau-Kreuz-Verein, der die Grundlage für die Arbeit an suchtkranken Menschen wurde.  Mit 55 Jahren „kaufte“ er „das Hotel an der Voerder Str. 4. Und weil das für sein Vorhaben nicht ausreichte auch noch einen großen Versammlungssaal für 80 000 Mark… zu diesem Unterfangen… hatte er kaum noch eigene finanzielle Mittel. Doch er war sicher: Es ist Gottes Sache, für die wir eintreten, so wird er uns auch weiterhelfen.“

Und das hat Gott getan! Friedrich Falkenroth fand Menschen, die ihn in seinem Vorhaben unterstützten. Im dazu gekauften Grundstück und der Errichtung des Falkenroth-Hauses konnte er auch noch für Ledige, die in Haspe Arbeit suchten, Heimat bieten. So waren sie in ihrer freien Zeit nicht mehr auf die Kneipen angewiesen.

Bei seinem Unterwegssein mit dem Pferdefuhrwerk machte er Halt in manchen Kneipen, nahm Kontakt zu den Trinkern auf, erzählte ihnen von Jesus Christus, der von der Alkoholnot befreit. Hier und da kniete er vor dem Tresen und betete mit und für die Notleidenden. Wenn es drauf ankam, konnte er auch die letzte Jacke verschenken, um Not zu lindern.

„Bis zu seinem Tod setzte er sich uneigennützig für die Benachteiligten der Gesellschaft ein, bot ihnen ein neues Zuhause und Hilfen auf dem Weg zur Abstinenz.“

Im Grundstein des Hauses an der Vorder Str. 4 kann man sein Motto noch lesen: „Die, so im Elend sind, führe ins Haus

Ein Lebensmuster – auch nach Jahrzehnten - für den Glauben an Gott: Gott und die Hilfsbedürftigen gehören für uns zusammen – nicht nur in der Weihnachtszeit

(Die Zitate sind der Festschrift zum 75. Bestehen des Blauen Kreuzes in Hagen-Haspe entnommen)

 

Siegward Busat.