Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“           .   Lukas 19,40

 

Mit diesem Wort wendet sich Jesus an die Frommen in seiner Zeit. Menschen sind gemeint, die in ihrer Religiösität sich lauthals behaupten und die Autorität Jesu bestreiten. Sie tun es in der Öffentlichkeit, um Jesus und seine Anhänger zu hindern, das Lob Gottes und die Herrschaft Jesu, des Sohnes Gottes, zum Schweigen zu bringen.

Das war damals nicht nur ein Einzelfall, nach dem Jesus in Jerusalem einzog. Dort jubelten die Massen ihm zu. Sie erwarteten in ihm das Reich Gottes auf der Erde. Und in ihm war das Reich Gottes im Anbruch da: Kranke wurden gesund, Besessene befreit, die Naturmächte bezwungen, Tote aus den Gräbern gerufen. Den Menschen, die am Rande der Gesellschaften lebten, schenkte er Achtung, Mut und Hoffnung. Ja, wo er war und wirkte, konnten Menschen aufatmen und in seiner Nachfolge neu starten. Sie wurden und sind ein Zeugnis des heute noch wirkenden Herrn der Welt.

Doch solche Erfahrungen der Christen haben immer wieder den Protest, die Kritik und Verachtung hervorgebracht. Das ist auch in dem „Spottkruzifix von Palatin (Rom) zum Ausdruck gebracht. Es ist die älteste Darstellung der Kreuzigung, gekritzelt an die Wand in einer Wachstube: Jesus, der Gekreuzigte mit einem Eselskopf, seitwärts gewandt und so unverkennbar, dargestellt.  Darunter ein Mensch mit erhobenem Arm zum Gekreuzigten gerichtet. Darunter der Text: „Alexamenos verehrt Gott.“ Das „Y“ oben rechts in der Darstellung lässt offen, ob es sich um aus Ägypten stammende sethianischen Gnosis handelt, deren Gott „Seth“ als eselsköpfig dargestellt wird oder um ein unter TACITUS verbreitetes Märchen: im Tempel Jerusalem sei Gott in Gestalt eines Esels verehrt worden. Nimmt man hier die Kreuzigung mit dem Eselskopf zusammen, so spricht vieles dafür, dass man sich hier über Jesus, den Gekreuzigten, und seines an ihn Glaubenden lustig macht. Das passt in der Soldatenwelt Roms am besten, da hier das Evangelium zur Zeit des Paulus Fuß fasste und seine Auswirkungen hatte.

Neuerdings fand man bei den Ausgrabungen in Nordisrael eine 1500 Jahre alte Inschrift. Den Text gab die Israelische Altertumsbehörde am 20.1.2021 bekannt: „Christus, geboren von Maria“ steht auf einem Stein. Es folgt: „Dieses Werk des gottesfürchtigen und frommen Bischofs THEODO(SIUS) und des elenden Th(omas) wurde gebaut auf der Grundlage…: Wer eintritt, möge für sie beten.“ THEODOSIUS war der Erzbischof jener Gegend im 5. Jh nach Chr. Forscher der Hebräischen Universität Jerusalems erklärten in einer Pressemitteilung, derartige Grußworte seien typisch für Kirchen jener Zeit.

Also nicht nur in der Wachstube im heidnischen Rom, wo die Gestalt des gekreuzigten durch Christen verehrt und Christen verspottet wurden, sondern auch im Bereich der Juden mit ihrer jüdischen festgelegten Tradition ist Jesus, als der Christus (der Messias) und zugleich Sohn der Maria im Stein festgehalten.

Ja so schreibt Gott seine Geschichte mit Menschen unverkennbar auch in Wort und Stein, in Wandkritzeleien und im Felsgestein.

Warum?                                                                                                  
Weil mit Jesus Christus nach bisherigen Zeiten der Menschheitsgeschichte Gott selbst in die Welt kam und in seiner Macht und Herrlichkeit, mit seiner Liebe und Barmherzigkeit Menschen aufrichtete, ermutigte und neu ausrichtete, das Lob Gottes zu leben.

Wer das erfahren hat, wird es überzeugt anderen mitteilen in Wort und Tat. Wenn Christen sich diesem Dienst an der Welt versagen, dann bringt sich Jesus dennoch in Inschriften, in künstlerischen Darstellungen und in Steinen selbst zu Wort.

Das Evangelium von der Liebe Gottes und die Hinwendung Jesu zu allen Menschen darf nicht und nie verschwiegen werden; denn Gott hat alle in seinem Blick.

 

Siegward Busat.