Jesus Christus: „ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung“           .    Kolosser 1, 15

Es war in Do-Dorstfeld. Auf dem Hinterhof sah ich ein Kruzifix aus Holz auf einem Lastwagen liegen. Zeitungen, Illustrierte, Holz und anderes Papier sollten abtransportiert werden. Es war auf dem Hof, der zum Haus gehörte, in dem wir zur Miete wohnten. Innerlich entrüstet über den Holz-Christus im Papiermüll, fragte ich die Arbeiter, in dem ich das Kruzifix in die Hand nahm, ob sie diesen auch wegwerfen wollten. Ja, meinte einer, der ist ja kaputt. Der linke Arm fehlt, sonst hätte ich ihn mitgenommen. Im Geschäft kostet er noch über 60 DM.

Doch wenn man mit Jesus Christus kein Geschäft machen kann, dann ist er eben nur noch des Wegwerfens wert. Abfall, auf den die Gesellschaft gut verzichten kann, eben ein Wegwerf-Jesus.

Diese Erfahrung passiert in vielen Variationen doch immer wieder. Das betrifft nicht nur die Gesellschaft und Welt, sondern auch die Kirche und den alltäglichen Bereich der Christen.

Wenn Krankheiten, Leiden, Hiobsbotschaften und Probleme auf uns zu kommen, sind wir schnell fassungslos. Wir sind herausgefordert. Wir können dieses und jenes nicht verstehen, noch in unserem Glauben annehmen und einordnen. Wir kommen ins Fragen und nicht selten stellt sich der Zweifel ein. Wo ist jetzt Gott, unser Vater im Himmel, so fragen wir dann in unserem Innersten, auch wenn wir es vor anderen nicht in Worte fassen.

Wir möchten innerlich mit Jesus Christus streiten, leben mit ihm im Konflikt, weil wir von Gott diesen Weg, diese Zumutung nicht erwartet haben. Wir dachten, wir sind mit Gott und Jesus Christus so verbunden, per Du,  dass wir auf einmal wie aus der Bahn geworfen sind. Der nahe Gott ist uns dann so fern gerückt und die Macht unseres Herrn steht für uns in Frage. Ist er nicht allmächtig? Warum ich, warum wir…?  

Wie stark wir auch jetzt im Glauben sein mögen, eine Garantie hat keiner in der Tasche, dass ihn harte Fügungen und unverständliche Führungen nicht auch im Glauben erschüttern können und jeder in der Gefahr steht, den Glauben aufzugeben, sich aus der Christuszugehörigkeit zu lösen, bzw. anderen Mächten auszuliefern.

Das hat auch der Verfasser unseres Briefes im Blick.

Gegenüber aller anderen in der Gemeinde aufkommenden und vertretenen Meinungen, Erkenntnissen, Einsichten, Behauptungen, bringt er Jesu Einzigartigkeit, Größe und Einmaligkeit zur Sprache, bzw. übernimmt einen Christushymnus und stellt ihn in den Zusammenhang seines Briefes. Dabei wird dieser Christushymnus zur leuchtenden Mitte des ganzen Briefs. Ja, dieser Christushymnus durchstrahlt als ein kristallklares Licht, die ganze Botschaft der Bibel.

Da alle Schrift von Gott eingegeben ist (2 Tim. 3,16-17) handelt es sich hier um wirkliche Offenbarungs-Qualität.

Jesus Christus wird dabei so in das Bewusstsein der Christen gerückt, zur unvergesslichen Mitte hineingewirkt. Da sind wir schon bei der überaus ungewöhnlichen Aussage, die lobpreisend und bekenntnishaft hier zum Ausdruck kommt: „Er ist Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol.1,15).

Zunächst denken wir an den Menschen in der Schöpfung:

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Mose 1,27). Dabei geht es nicht darum, dass der Mensch Gott abbildet, sondern als Repräsentant Gottes, soll er in der Schöpfung die Herrschaft Gottes wahrmachen, „herrschen“(1 Mo 1,28), dass er den Garten Eden „bebaute und bewahrte“(1 Mo 2,15).

Im „herrschen“, bebauen und bewahren‘ soll der Mensch in der Zweisamkeit von Mann und Frau ergänzungsfähig und ergänzungsbedürftig, also im Team, Gottes Absichten und Willen gestalten.

Insofern soll zum Ausdruck kommen, dass der Mensch diese Schöpfung so zur Gestalt werden lässt, dass darin Gott in seinem Wesen, Willen und Wirken einen sichtbaren Abdruck hinterlässt. Der Mensch also sollte Gott in vollkommener Weise in der Schöpfung repräsentieren und manifestieren. Um das zu können, setzt Gott den Menschen in die persönliche Beziehung zu sich. Das kommt zum Ausdruck in den Satz:

„Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem (Hauch, Geist) in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“ (1. Mose 2, 7). Dabei ist ausgenommen die Herrschaft des Menschen über den Menschen.

Obwohl der Mensch „Adam“ versagte und die Herrschaft des Todes über alle Menschen brachte (Rö. 5,14), so ist er doch

„ein Bild dessen, der kommen sollte“ (Rö. 5,14).

Dieser Eine ist Jesus Christus:

„Er ist“ in vollendeter Weise „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“.

Für Ebenbild kann man auch sagen, Abbild, Bild, Abdruck oder auch das Urbild. Es könnte auch Porträt bedeuten, um Personen in Rechtsdokumenten nicht zu verwechseln. Im Porträt werden die Hauptmerkmale der Personen festgehalten. Jesus als Porträt Gottes bringt die Charaktereigenschaften und die Erkenntnismerkmale Gottes zum Ausdruck.

Er sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“(Joh.14,9).

Anders gesagt, in ihm kommt Gott zur Sprache. In ihm kommt der unsichtbare Gott (Kol. 1, 15; 1 Tim. 1,17.  2 K r.4,18) in seinem Wesen, Willen, Wirken und Zielen zur Ausprägung.

D. h. er ist die Offenbarung Gottes in der Welt schlechthin.

Das Bild ist vor allem als das Abbild oder auch als Urbild charakterisiert. Dabei geht es nicht um eine äußere Widerspiegelung, sondern um Offenbarung und Verwirklichung des Willens Gottes, die in der Menschwerdung Jesu gipfelt. So kann Jesus Christus sagen:

„niemand kennt den Sohn als nur der Vater und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren“ (Mt. 11,27) oder auch:

„Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, tut gleicher Weise auch der Sohn“ (Joh. 5,19) oder auch:

„Ich und der Vater sind eins“(Joh. 10,30).

Wer sich ihn ganz anvertraut, der wird leben vor und mit Gott in Zeit und Ewigkeit. Das lohnt!

 

Siegward Busat.