Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und betet für alle Heiligen   Epheser 6,18  

Das Beten ist weithin außer Mode gekommen. Außer dem Schrei in Notzeiten, Krankheiten und persönlichen Krisen zu Gott, finden wir weithin nur noch das unüberlegte „Gott o Gott“ und „Jesses Maria“. Durch Selbstvertrauen und Lebenskraft meinen viele ohne Gott auszukommen. Wenn es dann nicht mehr weitergeht im Berufsleben, in der Ehe und Familie, dann müsste Gott schon herhalten und einspringen. Das müsste er dann tun, so wie wir es von ihm erwarten. Wenn Gott sich dann nicht so einbringt, lassen wir ihn gern auf der Seite und versuchen dann mit den Gegebenheiten fertig zu werden – wie immer das dann gelingen mag, bis in die Mutlosigkeit hinein.

In dieser Ausweglosigkeit werden wir aufgerufen: „Hört nicht auf, zu beten und zu flehen!“

Aber wie soll man, wenn man außer den einst gelernten Kindergebeten nicht weitergekommen ist und Gott aus dem Blick verloren hat?

Dann helfen kein Grübeln und Nachdenken und Argumentieren. Dann darf man einfach anfangen, zu beten, in dem man Gott anspricht - auch wenn man nichts von ihm fühlt. Und sogleich werden wir von Gott gehört; denn er wartet schon - wie der Vater im Gleichnis Jesu auf den verlorenen Sohn – auf uns, um uns in seine Arme zu schließen, anzunehmen und uns nahe zu sein. Da dürfen wir ihm vertrauensvoll alles sagen, uns mit allem unseres eben zur Sprache bringen – und er hat Zeit, hört zu. Darin liegt die große Entlastung unseres bisherigen Lebens. Er hält uns aus, nimmt alles Versagen von uns, vergibt und richtet unser Leben neu aus. Ja, er nimmt sich unserer an, sodass wir gelassen, umsorgt und geborgen uns bei ihm bergen können und abwarten, bis er auf seine Weise hilft. Da ist manchmal auch Ausdauer gefragt.

Als ich so zu Gott mit 17 Jahren kam, konnte ich frei meiner Vergangenheit neu anfangen. Er hat mir seitdem in vielen Situationen wesentlich geholfen, so dass ich erwartungsvoll jeden Tag weiterleben kann. Ich muss nicht mehr auf mich bauen, sondern kann leben in dem, was er mir zu teil werden lässt und noch ermöglichen wird. Das ist Geborgenheit im weitesten Sinn.

Aufgrund dieser Erfahrung bete ich zu Gott, dem Vater Jesu Christi. Ihm kann ich alles sagen und anvertrauen und staune, wir e er manches im Alltag regelt und mir und anderen neue Sichtweisen eröffnet. So kann ich nicht nur Gott danken, sondern auch mit allen Bitten im persönlichen Bereich und in der Gesellschaft und Welt zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, kommen – und immer wieder neu; denn fertig mit uns, der christlichen Gemeinde, Gesellschaft und Welt werden wir nie. Immer wieder gibt es neue Fragen und Herausforderungen. Sie alle könnten uns den Mut zum Leben nehmen, wenn wir nicht um Gottes Liebe und Macht wüssten und um Jesus Christus, der uns durch sein Sterben für uns und seine Auferstehung den Weg für immer zu Gott freigemacht hat.  So können wir Gott schon anrufen – allezeit, ohne Eingrenzungen – und sind darum mit allem, was uns angeht nie allein, noch auf unsere Möglichkeiten begrenzt. Auch Ungewohntes und Wunder sind Gott möglich; denn für ihn gibt es keine Grenzen der Zuwendung zum Menschen.

Aber der Weg zu Gott, den Jesus Christus uns ermöglicht hat, hat auch die Konsequenz, dass wir nach unserem Leben, ob in Freude oder im Leid, gerufen werden zur Zukunft Gottes, ins Reich Gottes. Dort werden wir ihn sehen und anbeten, weil er uns teilnehmen lassen will an seinem Heute - und Morgen in seiner sichtbaren Gegenwart zu leben.

Weil das für jeden Christen ansteht, kann und wird er beten und flehen. Er überlässt diese Welt nicht den Machthabern, den bösen Mächten, Geistern und Dämonen - so meint es der Zusammenhang mit diesem Wort - in allen Bereichen, sondern ruft, fleht, wacht und schreit in aller Beharrlichkeit zu Gott, damit sein Wille auch auf Erden gelebt wird. Somit wird das Beten mit ganzer Kraft, Stärke und Macht – Ausdrücke, die in der Bibel nur Gott und Jesus Christus gebraucht sind – zur Motivation des allezeit Betens, ja zu einem Ringen mit Gott um diese Welt und Menschheit. Darin sind dann auch alle Christen, die weltweit um ihrem Glauben willen oft grausam verfolgt werden.

Ein großes Programm Gottes für diese Welt und Menschheit.

Wollen Sie darin nicht mitmachen. Beten – das Kommunizieren mit Gott entlastet jeden in jedem Heute. Die offene und ehrliche Hin-Wendung zu Gott zahlt sich für uns andere über Erwartungen hinaus aus.

Siegward Busat.