Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündigte ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.    Johannes 20,18  

Das hatte sie nicht erwartet, noch träumen können. Jesus, der sie von sieben Teufeln und deren zwanghaften Einfluss in ihrem Alltag befreite, galt ihre herzliche Dankbarkeit und Verbundenheit. Wer hätte sie auch so frei setzen können von den finsteren Mächten wie er. So war sie auch mit den Jüngern auf dem Weg mit Jesus. Nun war sie, die Jünger und die Frauen, die Jesus nachfolgten, von ihm getrennt und er dem Bereich des Todes ausgeliefert. So blieb ihr nur eins, ihre Treue zu ihm am Grab zu bezeugen. Doch da sieht sie nur ein leeres Grab. Selbst den zwei Engeln im Grab kann sie nicht glauben. Immer noch am Weinen, weil ihr Jesus nicht auffindbar ist. Da wird sie von einem Mann hinter ihr angesprochen. Sie meint, es sei der Friedhofsgärtner und fragt, wo sie den Leichnam Jesu finden kann. Ihre Verbundenheit mit Jesus vor der Kreuzigung macht sie blind für die neue Wirklichkeit. Erst in dem sie Jesus, der leibhaft Auferstandene, mit Namen anspricht: „Maria“ erkennt sie Jesus in seiner neuen Leiblichkeit und antwortet: „Rebbuni!“, d. h. Meister.

Diese Erkenntnis hat Maria nicht von sich aus. Vielmehr ist es die Offenbarung Gottes in der Namensnennung „Maria“ durch Jesus. Da geht es ihr auf, dass Jesus die Macht des Todes bezwungen hat. Er lebt! Sie kann ihn mit ihren Augen wahrnehmen, wirklich sehen:  Jesus ist mitten in dieser Welt da! 

Diese Erfahrung setzt sie ins Staunen. Sie möchte bei ihm verweilen, ihn anfassen, fassen und vielleicht auch bei sich festhalten. Doch Jesus weist sie mit ihrem Wunsch ab. Jetzt gilt es keine Zeit verlieren. Die Nachricht: Jesus, von Juden und Römern dem Tod ausgeliefert: l e b t ! Er ist von Gott auferweckt, mit einer neuen Leiblichkeit, einfach da!

Diese neue Wirklichkeit und umfassende Wahrheit, muss weitergesagt werden, damit Menschen im Leid, in der Ungerechtigkeit, in Versagen und Schuld, mit Menschen und Mächten, Krieg und Flucht, Sterben und Tod nicht ich der Hoffnungslosigkeit versacken. Weil Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene volle Wirklichkeit und Autorität ist, wird jeder durch den Tod von Gott gerufen zu neuer Existenz.

Das ist Hoffnung und Ermutigung für jeden, der an Jesus Christus glaubt. Deshalb wird Maria durch Jesus auf den Weg zu den Jüngern geschickt: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Johannes 20,17).

Das es sich bei dieser Erfahrung der Maria nicht um einen Traum, eine Illusion und Spekulation handelt, macht der weitere Verlauf in dieser Geschichte deutlich. Tatsächlich handelt es sich hier um eine persönliche Begegnung von Maria mit dem auferstandenen Jesus Christus. Alles ist hier von nüchterner Klarheit gezeichnet, auch wenn es für den Verstand des Menschen unbegreiflich bleibt.

„Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: ‚Ich habe den Herrn gesehen‘ und was er zu ihr gesagt habe“(Johannes 20,18). Sie ist die Erste, die durch das Erleben des Auferstandenen zur Gewissheit des Auferstandenen kommt.

Ihre Botschaft an die Jünger, hier meine Brüder genannt, hat folgendes zum Inhalt:

Jesus, der Auferstandene ist der Herr, der Herr aller Mächte und Gewalten, wie er es selbst bezeugt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker…“(Matthäus 28, 18-20).  Diese weitgehende und umfassende Herrschaft Jesu bezeugt Maria mit dem „Ich habe den H e r r n gesehen. Zugleich ist sie Augenzeuge des Auferstandenen. Was sie gesehen hat, kann ihr niemand rauben. Es ist und bleibt einmalig im Leben dieser Frau. Sie muss man als Augenzeugin gelten lassen. Ihr kann man voll vertrauen. Jede andere Argumentation ändert nichts an der Tatsächlichkeit dieser von ihr nicht angestrebten Begegnung. Sie bezeugt Jesu Zugehörigkeit zu Gott, in dem sie das gehörte Wort Jesu: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Johannes 20,17) den Jüngern weitersagt. Zugleich bekennt sie damit, dass die an Jesus Glaubenden, die Jünger damals und in der ganzen Geschichte, um den Vater im Himmel wissen und sich in das Jesu – Wort mit hineinnehmen lassen: „zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Johannes 20,17).

Das ist eine alle Grenzen überschreitende Information, die alle erreichen muss.  Christian Fürchtegott Gellert fasste es 1757 in die Worte: „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?  Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.  Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.“                

Kann es mehr an Gewissheit und Hoffnung in dieser Welt geben?                                                    

Siegward Busat.