Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.    3. Johannes 2  

Diesen Wunsch finden wir im kürzesten Brief des Neuen Testamentes. Er kommt aus der Hand einer anerkannten Autorität in den christlichen Gemeinden der damaligen Zeit, genannt „Der Älteste“. Damit bestätigt er, dass er Verantwortung in der Gemeinde und darüber hinaus übernommen hat. Zugleich muss er den Lesern ohne weitere Angaben über die eigene Person bekannt sein. Nach antiker Briefform folgt dem Absender, der Empfänger, eine weitere Information über den Absender, eine Kennzeichnung des Empfängers, ein Wunsch oder Segensspruch. Hier benennt der Verfasser Gaius, dem er in Ehrlichkeit verbunden ist „Mein Lieber“.

Von diesem Gaius, den Namen gibt es im Neuen Testament dreimal: aus Mazedonien (Apg. 19,29); aus Derbe (Apg. 20,4); aus Korinth (Röm.16,25; 1. Kor 1,14) gilt, dass er keiner dieser Personen sicher zuzuordnen ist.

Gaius, so bezeugt es der Brief im weiteren Verlauf, nimmt verantwortlich seine Mitarbeit in einer christlichen Gemeinde wahr. Christen berichten dem Verfasser des Briefes über Gaius, die der Verfasser anerkennend aufnimmt: „von deiner Wahrheit, wie du wandelst in der Wahrheit  „(3. Jh 3). Gaius ist „ein Zeuge“…für die „Wahrhaftigkeit oder des Wandelns in der Wahrheit“. Noch genauer gesagt: “hier ist mehr als Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, nämlich das Ernstmachen mit der durch die Offenbarung empfangenen Wahrheit“ (Fritz Rienecker, Sprachlicher Schlüssel zum Neuen Testament, Seite 607). Es handelt sich also um einen ehrenamtlichen Christen. Er hat durch das Hören des Evangeliums sich im Glauben an Jesus Christus festgemacht. Das hatte für ihn Veränderungen zur Folge. Sein Reden, Schweigen und Verhalten, ja, seine ganze Lebenseinstellung ist nun im Alltag von Jesus Christus bestimmt. Er versteht sein Leben insgesamt als Dienst in der Gemeinde und Welt. Das bestätigen die Christen dem Verfasser. Dieser ist darüber „sehr erfreut“ (3 Jh 3) und schreibt: „Ich habe keine größere Freude, als die zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3 Jh 4). „wandeln“ heißt, ihr Leben entsprechend gestalten.

Dass es so etwas immer wieder gibt, damals schon bis heute, ist und bleibt ein Wunder Gottes. Dieses stellt uns vor die Frage, wie wir unser Leben und unseren Glauben verstehen. Ist er wirklich ein Sich-Ausrichten an Jesus Christus – und das immer wieder neu – oder nur ein Weitermachen in der christlichen Tradition?  Sind wir ein Zeugnis für Jesus, der verändernd hineinwirkt in unser Leben oder gibt es für uns nichts Neues mehr, das Jesus Christus in uns und durch uns zur Gestalt werden lassen will? Gaius lebt und wirkt zeitnah mit dem wahren einzigen lebendigen Herrn, dem das Heute und Morgen der Welt gehört.

Diesem Gaius wendet sich der Verfasser des 3. Jh zu. Dabei nimmt er den Empfänger in dessen Ganzheit wahr. D.h. der Mensch besteht nach griechischem Denken als Leib, Seele und Geist. Im jüdischen und biblischen Denken wird diese Dreiteilung nicht durchgehalten. Da wird der Mensch als Einheit von Leib, Seele und Geist gesehen. Das entspricht auch unserer Erfahrung. Wer z.B. Zahn- oder Nervenschmerzen hat, ist nicht aufgelegt zum Frohsein und Lachen. Er hat in allen Bereichen seines Lebens mit sich zu tun, bis er wieder frei von Schmerzen leben kann. Ebenso kann keiner nach einer schweren Schicksalsnachricht jubeln und große Sprünge machen. Er wird zutiefst von Sorgen, Ängsten und Tränen gezeichnet sein.

In dieser Weite unterschiedlicher Situationen spricht der Verfasser dem mitarbeitenden Gaius seine Wünsche als von Gott erbittenden Segen aus:  „ich wünsche, dass es dir in allen Stücken gut gehe, und du gesund seist, sowie es deiner Seele gut geht“ (3 Jh 2).

 „in allen Stücken gut gehe“ meint in jeder Hinsicht und nimmt alle Beziehungen und Situationen in den Blick, so dass er einen guten Weg geführt wird. Es ihm also wohl ergeht.          

 „und du gesund seist“, steht erst an zweiter Stelle, ist nicht das höchste Gut, aber erstrebenswert. Wer gesund ist, kann sich voll einsetzen; wer krank ist, kann dieses leider nur begrenzt tun.    

 „so wie es deiner Seele gut geht“ lässt an die innere Zufriedenheit denken, so dass der Mensch von Herzen fröhlich, mutig und gelassen sich auch den Herausforderungen stellen kann.

Das ist ein weitgehender Wunsch und Segen, den wir jedem zusprechen können und selbst auch von anderen – in welchen Formulierungen auch immer -  hören wollen.

Das ist eine großartige Ermutigung in Zeiten der Entspannung bei uns und in Zeiten des Dienstes für Jesus Christus im Umgang mit Menschen unserer Welt.

                                                      

Siegward Busat.