Andacht - Jesus kommt zu Besuch!
Vielleicht kennst Du das auch: Du sitzt im Gottesdienst, hörst die Lieder, sprichst vielleicht sogar die vertrauten Worte mit – und innerlich bleibst Du doch auf Abstand.
Du interessierst Dich für den Glauben, findest manches tröstlich und anziehend. Aber sobald es persönlich wird, ziehst Du Dich zurück. Sobald es nicht mehr nur um schöne Gedanken geht, sondern um Dein eigenes Leben. Um das, was weh tut. Um das, was Du bereust. Um die Fragen, denen Du lieber ausweichst.
Dann ist es leichter, innerlich einen Schritt zurückzugehen. Lieber zuhören, aber sich nicht gemeint fühlen. Lieber auf Distanz bleiben, als sich wirklich anschauen zu lassen. Gott soll Dir lieber nicht zu nahe kommen. Andere Menschen vielleicht auch nicht. Und manchmal nicht einmal Du selbst.
Zachäus ist so ein Mensch. Einer, der eigentlich vieles hat: Geld, Sicherheit, Einfluss. Als oberster Zolleinnehmer steht er beruflich eigentlich auf der Gewinnerseite. Und trotzdem ist da diese leise Sehnsucht. Die Sehnsucht danach, wieder heil zu werden. Wieder dazuzugehören. Denn der Preis für sein wohlsituiertes Leben ist Ausgrenzung. Niemand in seiner Stadt kann einen Mann leiden, der mit den Römern zusammenarbeitet.
Zachäus sehnt sich aus tiefster Seele danach, wieder mit sich selbst und mit seinen Mitmenschen ins Reine zu kommen. Vielleicht auch mit Gott.
An Zachäus können wir sehen: „Verloren sein“ sieht nicht immer dramatisch aus. Manchmal sieht es nach einem ganz normalen Leben aus. Nach Alltag, Pflichten, Funktionieren. Nach: „Ist schon alles okay.“ Aber tief innen weißt Du vielleicht: Nein, ganz okay ist es nicht. Da gibt es etwas, das nicht stimmt. Eine Verletzung. Eine Schuld. Eine Angst. Eine Distanz. Eine Sehnsucht, die Du vielleicht noch nicht einmal genau benennen kannst.
Und manchmal ist es dann leichter, auf Abstand zu bleiben. Ein bisschen interessiert sein, aber nicht zu nah. Ein bisschen nach Gott fragen, aber ohne dass es Konsequenzen hat. Ein bisschen hoffen, aber lieber nicht so sehr, dass man enttäuscht werden könnte.
Zachäus will Jesus sehen. Aber er bleibt lieber auf Abstand. Er klettert auf einen Baum, hoch genug, um alles mitzubekommen, und weit genug weg, um selbst nicht zu sehr ins Spiel zu kommen. Ein Zaungast eben. Interessiert, neugierig, vielleicht sogar hoffnungsvoll – aber noch nicht bereit, sich wirklich sehen zu lassen.
Das Überraschende ist: Jesus geht nicht einfach an Zachäus vorbei. Er sieht ihn. Er spricht ihn an. Und er macht klar: Ich will nicht nur an Deinem Leben vorbeigehen. Ich will in Dein Leben hinein. Nicht, weil ich dich kontrollieren will oder mit Vorwürfen überhäufen. Sondern weil genau dort Heilung beginnen kann.
Jesus lädt sich unverschämterweise einfach bei Zachäus zum Abendessen ein. Zachäus erlebt einen Abend im Gespräch mit ihm. Und er erfährt: Wenn Gott mir nahekommt, kann nicht alles so bleiben, wie es war. Dann kann es sein, dass ich Dinge aussprechen muss, die ich lange verschwiegen habe. Dass ich um Vergebung bitten muss. Dass ich etwas wieder gutmachen sollte. Dass ich meine Komfortzone verlassen muss.
Aber vielleicht liegt genau darin Freiheit!
Zachäus jedenfalls wirkt befreit und gut gelaunt nach dieser Nacht des Gesprächs. Er ist befreit, weil er vor Jesus nicht länger so tun musste, als wäre alles in Ordnung. Er durfte sich ansehen lassen – mit allem, was schön ist, und mit allem, was schwer ist. Und er erlebte: Gott sieht mich nicht wegwerfend oder missbilligend an, sondern suchend. Rettend. Liebevoll.
Vielleicht ist das heute eine gute Frage für Dich: Wo stehe ICH gerade eher am Rand? Wo halte ich Abstand – zu Gott, zu anderen, zu mir selbst? Warum ist das so? Wovor habe ich Angst?
Und was wäre ein erster kleiner Schritt, um Gott wieder mehr hereinzulassen?
Vielleicht ist dieser Schritt ganz schlicht: ein ehrliches Gebet. Ein Gespräch mit einem Menschen, dem Du vertraust. Ein Moment Stille, in dem Du nicht ausweichst. Oder der Mut, etwas anders zu machen als bisher.
Ich nehme aus der Geschichte von Zachäus mit: Jesus sucht nicht nur die, bei denen man sofort sieht, dass sie Hilfe brauchen. Er sucht auch mich, wenn ich nach außen stark wirke und innerlich doch nicht heil bin. Er sucht mich nicht, um mich bloßzustellen, sondern um mich zurück ins Leben zu holen.
Die Erkenntnis des Tages heißt: Du musst nicht Zaungast bleiben. Du darfst Gott einlassen. Genau jetzt. Genau so, wie Du bist. Heute sagt Gott zu dir: „Ich möchte, dass es dir gut geht! Ich höre dir zu. Du darfst mir alles sagen. Ich komme zu dir. Alles was du tun muss, ist die Tür aufzumachen.“
Es grüßt euch herzlich: Rüdiger Holthoff
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