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Andacht - Die Suppe versalzen

Die Suppe versalzen

In einem Jugendgefängnis machen Jugendliche von außen ein zweiwöchiges Praktikum. Vom Frühstück bis zum Nachmittag verbringen sie Zeit mit den Jugendlichen und Gefangenen. Gemeinsam nehmen sie an einem Kurs zur Jugendgruppenleitung teil. Alle lernen dasselbe, sitzen zusammen und essen sogar dasselbe Mittagessen.

Doch eines fällt den Praktikanten auf: Das Essen ist jeden Tag völlig versalzen. Kaum jemand bekommt es herunter.

Eines Tages fragt einer von ihnen: „Warum ist das Essen eigentlich immer so versalzen?“

Ein Gefangener antwortet: „Weil Gefangene in der Küche arbeiten.“

„Und warum machen die das?“

Die Antwort: „Sie sind wütend. Wütend, weil sie hier sein müssen. Wütend, weil ihr Leben versaut ist. Und wenn es ihnen schlecht geht, dann soll es den anderen eben auch nicht gut gehen.“

Eine eigenartige Form von Gerechtigkeit: Wenn ich die Suppe auslöffeln muss, die ich mir selbst eingebrockt habe, dann sollen die anderen sie auch nicht genießen können.

Vielleicht kennen wir dieses Verhalten nicht aus der Gefängnisküche — aber vielleicht aus unserem eigenen Leben.

Wenn ich enttäuscht bin, sollen andere es auch spüren. Wenn ich verletzt wurde, bin ich ungerecht und verletze andere mit meinen bissigen, sarkastischen Worten. Wenn ich unzufrieden bin, mache ich die Stimmung für alle anderen schlecht.

Es ist ein häufiges Phänomen, achtet mal drauf: Menschen, die bitter geworden sind, versalzen oft mit Wonne, bewusst oder unbewusst, auch anderen die Suppe. Wer niedergeschlagen ist, zieht oft die anderen mit runter.

Bitterkeit sagt: „Mir geht es schlecht — also soll es dir auch nicht gut gehen.“

Aber Bitterkeit trifft selten nur die anderen. Sie macht vor allem das eigene Leben schwer. Wer ständig an seiner Wut, seiner Enttäuschung und seinem Unrecht festhält, trägt diese Dinge überallhin mit. Und oft leiden dann Menschen darunter, die gar nichts dafür können.

Natürlich ist es nicht immer einfach, eine schwierige Situation anzunehmen. Es gibt Dinge, die unfair sind. Es gibt Verletzungen, Enttäuschungen und Situationen, die wir uns nicht ausgesucht haben. Aber wir haben nicht immer die Macht, unsere Situation zu verändern. Wir haben jedoch oft die Möglichkeit zu entscheiden, wie wir mit ihr umgehen.

Wir können sagen: „Ich kann diese Situation gerade nicht ändern. Aber ich will nicht, dass sie mich bitter macht. Ich will nicht, dass wegen meiner Wut auch noch andere leiden.“

Vielleicht bedeutet das manchmal ganz praktisch: ein freundliches Wort, obwohl man selbst keinen guten Tag hat. Ein Verzicht auf eine verletzende Bemerkung. Ein bisschen Geduld. Ein Lächeln. Oder die Entscheidung, die eigene Bitterkeit nicht an anderen auszulassen. Die Gefangenen in der Küche könnten sich zum Beispiel anstrengen, das leckerste Essen überhaupt in der Kantine zuzubereiten. Sie könnten sich entschließen, das Leben für alle angenehmer zu machen, anstatt es zu versalzen. Das wäre ein aktiver Beitrag zur Überwindung auch der eigenen Bitterkeit.

Die Bibel sagt:

„Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“
(Epheser 4,31–32)

Das ist eine große Herausforderung. Aber auch eine Einladung: Wir müssen unsere Bitterkeit nicht weitergeben. Wir können an ihr arbeiten und sie überwinden. Das geht!

Vielleicht ist heute mal ein guter Tag, um darüber nachzudenken:

Wo bin ich bitter geworden?
Wo lasse ich andere spüren, dass es mir schlecht geht?
Wem versalze ich vielleicht die Suppe, obwohl dieser Mensch gar nichts für meine Situation kann?

Gott möchte nicht, dass unsere Verletzungen und unsere Bitterkeit immer weitergegeben werden. Er möchte uns helfen, das Schwere bei ihm abzugeben.

Denn wenn schon nicht alles in unserem Leben so ist, wie wir es uns wünschen, dann können wir doch dazu beitragen, dass es für die Menschen um uns herum ein wenig angenehmer wird. Wir müssen anderen nicht die Suppe versalzen.

Wir können uns entscheiden, einander das Leben nicht noch schwerer zu machen — sondern einander etwas Gutes zu tun. Das wirkt Wunder. Probiert es aus!

Amen.

 

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