Kurzpredigt
Kurzpredigt September 2026
„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“ Prediger 4,6
„Vaters Hände sind rissig und wie ein Schlaghammer schwer. Sie riechen nach Kohlen, Schmieröl oder auch Teer. Sie sind rau, wie ein Reibeisen, streicheln sie mein Gesicht; aber ich weine nicht: Denn diese Hände arbeiten für meinen Vater und für mich, kleiden und decken uns alle Tage den Tisch.“
Dieses Gedicht mussten wir in der Schule in der DDR auswendig lernen. Dabei erinnerte ich mich an meinen Vater, der praktische Hände hatte. Arbeiten am Auto übernahm er selbst, Wände im Haus konnte er versetzen, Dächer teeren und an der selbst gebauten Hobelbank und Kreissäge arbeiten. Das alles erledigte mein Vater neben seinem Beruf als Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Perleberg. Dabei verfiel er nicht dem Stress, sondern hatte noch Zeit für uns Kinder zum Schwimmen und Eisessen…Auch für sich nahm er sich Zeit zum Angeln in der Frühe des Tages. Einmal brachte er zwei große Aale mit und meine Mutter überlegte, wie sie diese für uns zubereiten konnte. Eben, was man mit tüchtigen Händen schaffen kann, ohne sich in Arbeit zu verlieren.
Hände – welch ein Kunstwerk unseres Gottes. Sie können greifen, festhalten und loslassen. Sie bringen Gedanken zu Papier. Sie können unserer Kreativität eine sinnvolle Gestalt ermöglichen und sind für viele Arbeiten im Alltag eine außergewöhnliche Entlastung. Wo gibt es schon ein solches Kunstwerk auf so kleinem Raum mit den ungezählten Möglichkeiten und Aktivitäten?
Der Monatsspruch sieht die Gefahr, dass wir unsere Hände dem Missbrauch ausliefern. Anstelle dem Auftrag des Schöpfers zu entsprechen, diese Erde zu „bebauen“ und zu „bewahren“, d.h. sie kreativ zu verändern und für die nächsten Generationen zu einer lohnenswerten Welt zu erhalten – welch eine weite Sicht Gottes! – Doch viele nutzen ihre Hände – ein Symbol für die Lebensgestaltung - letztlich nur für sich und ihre Ziele, krampfen sich ab ohne sich sinnvoll in das Miteinander der Menschen und Welt verantwortlich einzubringen und auch genügsam und in Ruhe und innerem Frieden zu leben.
So kann man auch die Hände falten, Gott danken und sich ich ihm ganz anvertrauen – unter seinem Segen zu leben.
Schon bei Luthers Übersetzung fällt auf und kommt dem Sinn des Textes nahe; zwei Fäuste gegenüber einer Hand, Fäuste sind verkrampfte Hände, die nichts in sich bergen können. Sie sind Ausdruck von Drohung, Durchsetzungskraft und Gewalt. Wer die Faust erhebt, ist nicht mehr bereit zur Kommunikation. Egal auf welche Kosten. Mit Gewalt erzwingt er sich sein Recht oder er nimmt Ungerechtigkeiten in Kauf. Verkrampft sich in seine Ziele und in allem, was er erreicht, wird er nicht lebensfroh, sondern er verfällt immer mehr den inneren Zwängen.
Sein Leben wird nur Arbeit und Mühe. Alles Erreichte erweist sich als „Haschen nach Wind.“ D.h. verfällt der Vergänglichkeit, dem Nichts, ist umsonst gewesen, trotz Mühe und Stress. Wirkliches Leben, wie es der Schöpfer will, ist es nicht. Darum liegt auch der Segen Gottes nicht auf solchem Verhalten!
Siegward Busat
Kurzpredigt August 2026
Jesus Chrisbentus spricht “Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Johannes 10,10
Als Kind stand einem die ganze Welt offen. Die Wünsche gingen ins Unermessliche und so meinte man, Vater und Mutter könnten das alles umsetzen, in der Welt ist alles möglich.
Als Jugendliche hatten wir viele Träume, die ins Grenzenlose gingen. Leben – das war etwas, was man in allen Bereichen anging und voll nutzen wollte, auch wenn man dabei seine viel beschworene Freiheit verlor.
Als Erwachsener, fertig mit Schule und Ausbildung, startete man ins Berufsleben mit großartigen Aussichten auf Erfolg, Karriere, Geld und Macht, um das Leben zu gewinnen. Ob in der Ehe oder als Singel, im Beziehungsgeflecht stellten sich schnell Probleme und Konflikte ein, die kaum einer gerecht und zufriedenstellend bewältigen konnte. So gab es Unstimmigkeiten, Streit, Selbstbehauptungen und Rechthabereien, die den Frieden störten und im Miteinander zu Auseinandersetzungen führten. Der Friede war dahin und das volle sinnvolle Leben nicht gewonnen.
Sicher gibt es auch andere Weisen, das Miteinander friedlich und gewinnbringend zu gestalten. Wie gut es immer auch laufen mag, doch nie gibt es eine Garantie, dass es immer so bleiben wird. Die Unterschiedlichkeit der Menschen mit ihren Zielen und entsprechendem Streben, lassen vieles offen. Oft sind gute Beziehungen nach Jahren und Jahrzehnten für immer durchkreuzt und zerstört. Dann ist das Leben nicht mehr in der Fülle möglich.
Um dem zu entgehen, stellt sich die Frage, haben wir etwas vergessen, was einen Lebensverlust bedeutet? Gott kam in ihm zur Welt und machte sich bekannt. Er sah die Zerwürfnisse unter den Menschen und ihre Hilflosigkeit. In Jesus Christus gab er uns ein Muster, wie wir in den Höhen und Tiefen hoffnungsstark leben können. In allem Versagen der Menschen untereinander und an Gott und Umwelt bot er den Menschen Vergebung aller bisherigen Schuld an, setzte sie frei vom Gestern ihres Lebens und ermöglichte ihnen eine neue Orientierung an seinem Wort. Menschen, die sich so auf Jesus Christus einließen und mit ihm neu ihr Heute und Morgen gestalten und durchhalten, erfahren die Kraft Gottes zur Lebensbewältigung mitten im Alltag, auch das Handeln Gottes umzusetzen, aufgrund der erfahrenen Liebe Gottes, die nichts mehr nachträgt, sondern freisetzt zu einem neuen Anfang.
Das haben die Menschen im Neuen Testament erfahren. Sie bezeugen in Wort und Tat: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott.“ (2. Korinther 5, 17 – 18). Es setzt eine neue Ausrichtung des Lebens mit Jesus Christius, seinem Wort und seiner Kraft in Gang. Hier wird keiner in allen Situationen sofort fertig, aber in Konzentration auf den Willen Gottes verändert sich das Leben. In einem lebenslangen Lernen von Jesus gewinnt man die Fülle des Lebens, so dass man in allen Lagen und Herausforderungen gewiss ist und bestehen kann und sich seines Gottes freut.
Leben in der Fülle - wie sie Gott wirkt und schenkt - führt ins frohe und gewisse Miteinander von Gott, Mensch und Welt.
Das ist echte Lebensbereicherung. Fülle des Lebens.
Siegward Busat
Kurzpredigt Mai 2026
„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“ Hebräer 6,19
Das haben wir schon oft erlebt: „Hoffen und Harren. machen manchen zum Narren.“ Da setzten wir auf einflussreiche Leute, vertraute Menschen und als es dann so weit war, ließen sie uns im Stich. Wir blieben enttäuscht zurück, versanken in die Einsamkeit und verloren Vertrauen zu lieben Menschen. - Und ehrlich gesagt, haben wir anderen nicht auch dieses und jenes versprochen, vergessen und nicht eingehalten, so dass manche Brücke des Miteinanders abgerissen wurde?
Das, was im Zwischenmenschlichen auf allen Ebenen geschieht, erweist sich eben zum erheblichen Nachteil Nichtverursacher, in allen Bereichen der Gesellschaft mit vielen Resignationen und Depressionen.
Das zwingt zur Überlegung: Wer wir als Menschen im Großen der Weltgeschichte und im Kosmosgeschehen sind. Wer könnte da schon große erfolgreiche Versprechungen machen, wenn er noch nicht mal für sein eigenes Leben den nächsten Tag garantieren kann? Denken wir alle nicht viel zu groß von uns selbst und anderen, als wären wir die Macher der Welt und unseres Lebens? Es stände uns allen gut an, bescheidener von uns und unseren Möglichkeiten zu denken. Mit dem Jakobusbrief im Neuen Testament zu sprechen, wäre es bei allen Überlegungen, Plänen und Zusagen bewusst zu sagen: „so der Herr will, und wir leben“ (Jakobus 4,15). Immer sind wir abhängig von dem, was Gott uns gibt, ermöglicht oder auch versagt. Über den unter dem Vorbehalt gegebenen Möglichkeiten und Grenzen kann niemand hinaus, auch wenn er es lebenslang bestreitet.
Deshalb bleiben alle gut gemeinten Wünsche, Worte und Zusagen an andere immer unter dem Vorbehalt, wenn Gott es so ermöglicht.
Anders ist der Gott der Bibel, der sich in Jesus offenbart hat. Er hat keine Größen über sich. Er ist schlechthin die Autorität im gesamten Sein und Dasein. Alle von Menschen gebastelte Götter sind nichts. Von ihnen gehen keine Wirkungen aus. Sie bleiben tote Materialien, egal welche Macht Menschen ihnen andichten. Gott allen ist der Herr der Schöpfung, Geschichte und Zukunft. Darum ist es nur ihm konsequent eigen, Zusagen, Versprechungen und Eide zu sprechen. Nur er allein hat das Vermögen und die Kraft, seine Worte in die Tat umzusetzen. Niemand kann seinem Willen und Wort widerstehen. Darum ist sein Wort wesentlich und wahr gegenüber allen anderen Zukunftsäußerungen der Menschen. Wenn er etwas sagt, hat das Bestand und wird in der Gegenwart und Zukunft wahre Wirklichkeit. So konnte sich auch einst Abraham auf Gottes Zusage einlassen und kam zur Erfüllung des göttlichen Wortes: der Sohn, die große Nachkommenschaft, das neue Land und Segen für die Völkerwelt.
Diesem Wort von Gott haben Menschen in der Weltgeschichte getraut, sich darauf eingelassen und erfahren: Gott steht zu seinem Wort. Es ist die Hoffnung auf Zukunft und Gottes neue Welt, die wir als Christen wie einen festen und sicheren Anker in unserer Seele, in unserem Inneren haben, um in den Wechselfällen des Alltags nicht den Mut zu verlieren. Wer diese Hoffnung auf den zukunftsträchtigen Gott ergreift und durchhält, der lebt auf eine volle Zukunft zu; denn Gott hat in Jesu Kreuz und Auferstehung die Macht der Sünde und des Todes für immer besiegt. Er sagt: „Siehe, ich mache alles neu“
(Offenbarung 21,4),
Siegward Busat.
Kurzpredigt April 2026
Jesus spricht zu Thomas:
„Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind die nicht sehen und doch glauben!“ Johannes 20, 29
Dafür ist Thomas ein Muster. Er hatte sich schon vom Jüngerkreis entfernt, aber noch ist er nicht ganz draußen. So ist er nicht dabei, als Jesus kam. Sein Sich-Zurück-Ziehen, sein Verlassen des Jüngerkreises, seine Flucht in die Einsamkeit, um alles selbst zu ordnen, erweist sich als Verlust an neuen Erfahrungen und wiklichem Leben.
Die anderen Jünger Jesu bezeugen ihm den Auferstandenen. Sie haben ihn leibhaft gesehen: die Nägelmale an Händen und Füßen, die Wunde in seiner Seite. Doch Thomas kann es nicht fassen. Unmöglich: Ein Toter ist lebendig? Dennoch schließt er das Außergewöhnliche nicht aus. Was den andern Jüngern zugebilligt wurde, stellt er als Bedingung: „Es sei denn…“ Er ist willig zu neuen Erfahrungen, aber zugleich auch kritisch und nüchtern genug, um nicht einfach Unglaubliches hinzunehmen. So hofft er auf eine neue Erfahrung und bleibt im Jüngerkreis. Dort erfährt er den Auferstandenen in seiner vollen Wirklichkeit. Mit Händen und Augen darf er sich von der Tatsächlichkeit des leibhaft Auferstandenen überzeugen.
Jesus Christus, der Auferstandene, ist nun kein Traum mehr, keine Wunschvorstellung, keine Halluzination, keine Vision mehr, sondern leibhaftige Wirklichkeit!
Von Jesus Chistus angesprochen, wird er ermutigt, dem Zeugnis der Augenzeugen von einst zu glauben. Das fällt ihm jetzt leicht; denn Gesehenes und Betastetes haben bei ihm alle Zweifel überwunden. Der Herr ist wirklich auferstanden! So bleibt ihm nur noch eins: Er fällt vor Jesus nieder und ruft aus: „Mein Herr und mein Gott!“
In Thomas finden wir das Muster des modernen Menschen von Heute. Er will erst sehen, alles überprüfen und dann glauben, Er will erst alles mit dem Verstand ergreifen und dann folgen. Bevor er sich Jesus, dem Auferstandenen, anvertraut und verpflichtet, will er erst den Beweis haben. Doch wer lebt schon von Beweisen?
Leben wir alle nicht nur auf der Ebene des Vertrauens, z.B. wenn wir uns auf einen Stuhl setzen.
Jesus Christus, der Auferstandene, sagt Thomas.
- und das gilt seitdem für alle:
nicht sehen, sondern den Jüngern, den Augenzeugen von Ostern, zu vertrauen. Das Zeugnis der ersten Jünger ist der Wahrheit entsprechend: Sie haben ihn gesehen, erlebt und sich in seinen Auftrag nehmen lassen und haben die Kraft des Auferstandenen erfahren.
Wer Jeus, den Auferstandenen, erleben will, kann sich auf das Zeugnis der Augenzeugen verlassen.
Wer zu Jesus Christus betet, der wird ihn in seiner seiner Liebe und Autorität, in seiner Wirkungsmacht erfahren. Solche Erfahrungen brauchen wir in einer Welt, in der gelebt und gestorben wird.
Siegward Busat
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